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Aktuelle Nachrichten

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Gesuchte Männer bei Diebstahl erwischt

Wernigerode/Halberstadt l Die Justiz geht mit aller Konsequenz gegen die beiden Georgier vor, die am Abend des 16. Juli in einer Rossmann-Filiale in Blankenburg beim Ladendiebstahl ertappt und vorläufig festgenommen worden waren. Am gestrigen Mittwoch erging auf Antrag der Staatsanwaltschaft in Halberstadt vor dem Amtsgericht Wernigerode Haftbefehl gegen die beiden 43 Jahre alten Männer. Die Staatsanwaltschaft strebt nun eine schnelle Anklage und Verurteilung an.

Das Duo, das aus Sicht der Staatsanwaltschaft offenbar gewerbsmäßig unterwegs ist, war am 16. Juli gegen 17.40 Uhr vom Detektiv des Drogeriemarktes dabei ertappt worden, wie es Parfüm-Artikel im Wert von rund 167 Euro sowie spezielle Babynahrung im Wert von rund 240 Euro entwenden wollte. Laut Polizei entfernten die beiden Männer die Sicherheitsetiketten von der Ware und verstauten sie in einer mitgebrachten Tasche. Nach ihrer Entdeckung seien sie vom Ladendetektiv und einem weiteren Zeugen bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten worden.

Die Vermutung, dass die beiden Männer bundesweit agieren und insbesondere Babynahrung entwenden, wurde bei weitergehenden polizeilichen Ermittlungen bestätigt. Danach lag gegen einen Mann wegen eines vergleichbaren Delikts bereits ein Untersuchungs-Haftbefehl des Amtsgerichts Berlin-Tiergarten vor. Dieser wurde jetzt vollstreckt. „Und auch der zweite Mann ist bereits einschlägig in Erscheinung getreten“, so Oberstaatsanwalt Hauke Roggenbuck, Chef der Staatsanwaltschaft in Halberstadt. Gegen den ebenfalls 43-Jährigen erging nun ebenfalls Haftbefehl.

Dass seine Behörde gegen die beiden Männer vor Gericht kein besonders beschleunigtes Verfahren angestrebt habe, bei dem in aller Regel bereits am Folgetag ein Urteil steht, habe mehrere Gründe, so Roggenbuck. So seien die Männer bei den polizeilichen Vernehmungen nicht geständig gewesen. Zudem drohe für gewerbsmäßigen Diebstahl ein Strafmaß von mehr als sechs Monaten Haft. Das setze bei einer Verhandlung wiederum einen Verteidiger voraus. Obendrein wolle man nun in Ruhe weitere Hintergründe und Umstände dieser und möglicherweise weiterer Taten beleuchten und dann zügig Anklage erheben, so der Oberstaatsanwalt.

Für den Verdacht des gewerbsmäßigen Handels dürfte unter anderem der Fakt sprechen, dass die beiden Männer augenscheinlich deutschlandweit unterwegs sind und es dabei vor allem auf Babynahrung abgesehen haben. Diese soll im Ausland für einen deutlich höheren Preis absetzbar sein.

Roggenbuck unterstrich mit Blick auf den aktuellen Fall noch einmal, dass die hiesige Justiz mit aller Konsequenz gegen derartige Tätergruppen vorgehe. Seit 2015 hatte es im Harzkreis immer wieder Fälle von Ladendiebstählen gegeben, bei denen die Täter besonders beschleunigt verurteilt wurden. Mittlerweile sind die Fallzahlen rückläufig – womöglich auch, weil das konsequente Handeln der Staatsanwaltschaft abschreckend wirkt.

 Gesuchte M?nner bei Diebstahl erwischt
Katerstimmung bei HVB

Halberstadt l Insolvenzgefahr bei den Harzer Verkehrsbetrieben? Die Spekulationen um eine drohende Zahlungsunfähigkeit bei der HVB sorgen für Debatten. Insbesondere mit Blick auf die Konstellation – der Landkreis hält mit 74 Prozent Gesellschafteranteilen den Löwenanteil – stellen sich viele Fragen: Ist die Situation wirklich so besorgniserregend? Können die Verkehrsbetriebe überhaupt in Insolvenz geraten oder sind die Gesellschafter – neben dem Kreis auch die Städte Wernigerode (21 Prozent) und die Stadt Blankenburg (fünf Prozent) – in der Pflicht, Defizite auszugleichen? Eines ist in jedem Fall Fakt: Der Dampfer HVB ist schwer im Trudeln, die Gründe dafür sind nach Recherchen der Volksstimme vielschichtig.

Die rein finanziellen Fakten sind wenig erbaulich. Demnach sind die Jahresabschlüsse der HVB seit Jahren sechsstellig im Minus. Für das Jahr 2017 wird der Verlust auf rund 586.000 Euro beziffert. Und das ist nur die Spitze des Eisberges. Aufgrund der Misere rund um die Umstellung des Fahrplans im vorigen Jahr stieg der Fehlbetrag noch weiter an – unter der Hand ist von bis zu 800.000 Euro die Rede. Und auch das ist nur eine Facette, denn wegen besagter Fahrplanmisere droht das Land, die offene Schlusszahlung von Fördermitteln für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Jahr 2018 in Höhe von rund 695.000 Euro zu stoppen.

Insider finden mit Blick auf die Zahlen und Fakten deutliche Worte: Die HVB hätten seit Jahren mit Dumpingpreisen am Markt agiert und sich damit in einen wirtschaftlichen Teufelskreis begeben. Die Gründe dafür sind durchaus nachvollziehbar. Im Harzkreis wurden die Transportleistungen nicht ausgeschrieben, sondern per öffentlichem Dienstleistungsvertrag an die HVB übertragen. Um die so entstandene Monopolposition nicht zu riskieren, sollen die HVB gegenüber dem Landkreis als Träger des ÖPNV besonders günstige Preise gemacht haben. Mit der fatalen Konsequenz von jährlichen Verlusten, die letztlich mit dem Griff ins Stammkapital ausgeglichen wurden. „Unsere Verkehrsbetriebe wurden jahrelang ausgeblutet“, so ein Insider.

Jahrelang funktionierte das Kaschieren der wirtschaftlichen Situation mit besagtem Griff ins Stammkapital. In 2018 soll die Situation jedoch derart aus dem Ruder gelaufen sein, dass die Defizite die internen Ausgleichsmöglichkeiten der HVB wohl überschreiten.

Ursache ist der Wechsel vom bisherigen Fahrplanangebot zum vertakteten Fahrplan mit Verknüpfung von öffentlichen Angeboten und Schülerverkehr. Dieser startete – trotz massiver Kritik und nach mehrmaligen Verschiebungen – im Frühjahr 2018. Anschließend folgte gerade im Schülerverkehr ein Chaos, das der Kreistag im Spätsommer 2018 beendete, indem die HVB im Kern zum vorherigen – funktionierenden – Fahrplan zurückkehrte.

Seither ist die Kritik der Busnutzer faktisch verstummt. Was dafür spricht, dass jene Offerten – also der frühere Fahrplan – den Wünschen der Fahrgäste entsprechen. Die finanziellen Folgen jenes Fahrplan-Chaos‘ für die HVB wurden bislang öffentlich nicht wahrgenommen. Doch sie haben es in sich.

Nach Recherchen der Volksstimme wäre die Zahl der Fahrplankilometer (gefahrene Kilometer pro Bus) hochgerechnet auf ein Jahr von veranschlagten 7,7 Millionen um 1,4 Millionen auf 9,1 Millionen Kilometer gestiegen. Die Crux dabei: Ein großer Teil dieser Mehrfahrten waren Leerfahrten, denen keine oder nur sehr geringe Einnahmen gegenüberstanden. Kosten entstanden dennoch. Bei veranschlagten 2,25 Euro pro Fahrplankilometer unterm Strich rund 3,15 Millionen Euro.

Und das sei schön gerechnet, weil jene 2,25 Euro pro Fahrplankilometer aufgrund gestiegener Sprit- und Personalkosten längst nicht mehr auskömmlich seien – Stichwort Dumpingpreise. Der kostendeckende Kilometersatz müsste wohl bei 2,36 Euro liegen. Was bei 9,1 Millionen Fahrplankilometern im Jahr noch einmal gut eine Million Euro Mehrkosten verursacht.

Kosten, die der HVB wohl entstanden wären, hätten die Kreistagsmitglieder im Sommer 2018 nicht die Notbremse gezogen und die weitgehende Rückkehr zum vorherigen Fahrplan beschlossen. Dafür droht nun aber der vom Land angekündigte Auszahlungsstopp der Fördermittel über 695 000 Euro. Begründet wird die Versagung damit, dass der jetzige HVB-Nahverkehrsplan nicht gesetzeskonform sei. Weil Schüler- und öffentlicher Verkehr nicht vom Grundsatz her gebündelt sind.

Vor diesem Hintergrund stehen die Mitglieder im HVB-Aufsichtsrat und im Kreistag nun vor grundsätzlichen Weichenstellungen: Am jetzigen – funktionierenden – Fahrplan festhalten und dafür geringere Zuwendungen vom Land in Kauf nehmen. Oder doch wieder zum vertakteten – nicht funktionierenden – Fahrplan nach Gesetzesvorgabe zurückkehren, um die Zuwendungen in voller Höhe zu kassieren.

Weil dann aber wieder besagter Kostenaufwuchs aufgrund der Mehrkilometer entstehen würde, spricht vieles dafür, dass Aufsichtsrat und Kreistag am jetzigen Fahrplan festhalten. Die ersten Weichenstellungen sollen im August erfolgen.

CDU-Fraktionschef Thomas Balcerowski gibt sich bekannt kämpferisch und hält mit Blick auf diesen Spagat mit seiner Kritik an den Verantwortlichen in Magdeburg nicht hinterm Berg: „Da werden einfach die falschen Zeichen gesetzt.“ Deshalb werde man es auf eine Auseinandersetzung mit dem Land ankommen lassen, auf dass Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) Farbe bekennen müsse. „Da müssen in Magdeburg ein paar Uhren anders gestellt werden“, so dessen Parteifreund Balcerowski.

Derweil hoffen die Verantwortlichen im Landratsamt auf Grundsatzentscheidungen im HVB-Aufsichtsrat und im Kreistag. Es gehe um die zukünftige Ausrichtung der HVB, so Vize-Landrätin Heike Schäffer. „Es geht um die Frage, was wir an öffentlichem Nahverkehr brauchen und was wir uns noch leisten können.“

Teuer ist und bleibt es in jedem Fall: Um die im HVB-Chaos-Jahr 2018 aufgelaufenen Verluste zu kompensieren – und der HVB-Chefetage den Gang zum Insolvenzgericht zu ersparen, wurden im Kreishaushalt zwei Millionen Euro zusätzlich eingestellt. Wie prekär die Lage tatsächlich ist und um welche Summe es geht, belegen die von der Kreisverwaltung auf Anfrage der Volksstimme genannten und nebenstehend publizierten Zahlen rund um die HVB-Bilanz. HVB-Geschäftsführerin Nora Wolters, die erst seit März im Amt ist, äußerte sich auf Anfrage nicht und verwies auf die Kreisverwaltung.

Trotz der Misere scheint die Tendenz aber klar: „Der Dampfer ist schon schwer am Trudeln – aber wir lassen ihn nicht untergehen“, so ein Kenner der Materie.

 Katerstimmung bei HVB
Wiedersehen nach Jahrzehnten

Wernigerode l Andreas Prescher blättert in dem Heft mit orangefarbenen Einband und der Aufschrift „Trainingstagebuch“. Darunter hat der Wernigeröder seinen Namen eingetragen, darüber prangt ein Foto des Magdeburger Sprinters Frank Emmelmann. „Er war mein Vorbild“, sagt Prescher. Der 47-Jährige hat als Kind und Jugendlicher bei Motor Wernigerode Leichtathletik trainiert – so wie Hunderte Mädchen und Jungen in den 1970er und 1980er Jahren. Jetzt wollen die Sportler nach Jahren wieder zusammenfinden. Für Sonnabend, 24. August, ist ein großes Wiedersehen am Wernigeröder Kohlgarten geplant.

Die Idee entstand beim Ostseepokal im Mai 2018, erklärt Andreas Prescher. Viele ehemalige Sportkameraden gehören der Abteilung Leichtathletik des Harz-Gebirgslauf-Vereins an, der stets in Rostock antritt. „Wir saßen abends mit vier früheren Sportlern zusammen“, berichtet Andreas Prescher. Die Rund schwelgte in Erinnerungen und beschloss, dass man sich sehen müsse – zum zweiten Mal nach einem kleineren Treffen 2006.

Doch das Wiedersehen 2019 soll eine große Sache werden. „Das ging herum wie ein Lauffeuer“, sagt Prescher. Fast 80 ehemalige Motor-Sportler sind in der WhatsApp-Gruppe, die er eingerichtet hat. Rund 40 Anmeldungen liegen vor, es können aber mehr werden. Wer zwischen 1965 bis 1979 geboren ist und bei Motor Wernigerode trainiert hat, kann sich melden. Viele leben weiterhin im Harz, weiß Prescher, einige in München oder Karlsruhe.

Aus Neustadt an der Weinstraße reist Rolf Knoche zu dem Treffen an. Seit 1992 lebt der gebürtige Wernigeröder in der Partnerstadt in der Pfalz. Bei Dynamo Wernigerode feierte er Erfolge als Mittelstreckenläufer, stand bei DDR-Meisterschaften auf dem Podest. „Ich war gar nicht schlecht.“

Doch von einem Tag auf den anderen fiel Knoche in Ungnade, bis heute weiß er nicht genau warum. „Da wollte ich zunächst nichts mehr mit dem Sport zu tun haben.“ Bis ihm die hauptamtliche Trainerstelle bei Motor Wernigerode angeboten wurde. Von 1974 bis 1991 leitete er die jungen Athleten an – mit Ehrenamtlichen wie Jochen Torz, der die Abteilung der Betriebssportgemeinschaft des Wernigeröder Elektromotorenwerks aufgebaut hatte. Stets musste er um die Ausstattung kämpfen, um Bälle, Turnschuhe und Geräte. „Doch es hat viel Spaß gemacht. Ich habe sieben Tage die Woche gearbeitet, aber es war positiver Stress“, sagt Knoche, der zwischendurch den Dienst bei der NVA und nebenbei die Trainerausbildung absolvierte.

Für die Mädchen und Jungen standen Sprints genauso auf dem Programm wie Mittel- und Langstreckenlauf, Hürdenlauf und das Werfen von Diskus, Speer und Hammer. Hinzu kamen Weit-, Drei- und Hochsprung. „Die Kinder sollten erst alles kennen lernen. Die Spezialisierung kristallisierte sich später heraus“, so Prescher. Wer gute Leistungen zeigte, durfte zur Sportschule.

Als Übungsleiter war Knoche anerkannt, aber streng, erinnert sich Andreas Prescher. „Es war sehr viel Disziplin dabei.“ Wer nicht mitzog, bekam zusätzliche „Freundschaftsrunden“ aufgebrummt. Wenn man im Sport etwas erreichen wolle, müsse einer die Richtung vorgeben, sagt Knoche. Das habe funktioniert: „Der Leistungswille, aber auch der Zusammenhalt wurden gefördert“, sagt Prescher rückblickend.

Für letzteres sorgten die Auftritte bei Wettkämpfen und die Trainingslager – im Sommer an der Ostsee und im Winter in der Hütte am Renneckenberg, im Sperrgebiet nahe der Brockenkuppel. „Wir mussten für die Kinder Passierscheine beantragen“, sagt der Ex-Trainer – „mit Dreifachdurchschlag auf Blaupapier.“ In der Zwei-Zimmer-Hütte mit drei Betten schliefen zehn bis 15 Kinder. Strom gab es nicht, dafür Wasser aus der Quelle.

Nach der Wende versuchte Knoche, die Abteilung zusammenzuhalten. „Ich hätte gerne weitergemacht“, sagt der 66-Jährige. Doch dann kam das Angebot aus der Partnerstadt, die Sportschule des Südwestdeutschen Fußballverbandes zu leiten. Im Januar 1992 zog Knoche in die Pfalz, wo er bis heute lebt. Seine alte Heimat besucht er regelmäßig, zuletzt beim Weinfest Ende Juni. Auf das Treffen mit seinen früheren Schützlingen freut er sich. „Dass sie mich sehen wollen, zeigt, dass ich wohl nicht alles falsch gemacht habe.“

Ab 15 Uhr soll etwas Sport getrieben werden –„altersgerecht und ohne Verletzungsgefahr“, so Prescher. Dann werde gegrillt, eine Diashow mit alten Bildern ist in Vorbereitung. Eins steht fest: „Vor 50 Jahren durfte ich in Blankenburg das Spartakiade-Feuer entzünden“, sagt Rolf Knoche. Das wolle er im Kohlgarten wiederholen. „Das T-Shirt von damals passt mir noch.“

Anmeldung unter Telefon 01 71 - 2 19 13 79

 Wiedersehen nach Jahrzehnten
Vandalismus und Müll an Harzer Wanderwegen

Blankenburg (dpa) l Unbekannte haben mehrere Wegweiser, Bänke und Holzzäune entlang von Wanderwegen um Blankenburg im Harz zerstört. Zudem seien mehrere Sitzbänke gestohlen worden, teilte die Polizei am Dienstag mit.

Hinzu komme illegal entsorgter Müll, der immer häufiger in Sandhöhlen abgeladen werde. Die Beseitigung sei sehr teuer. Den Schaden der Vorfälle aus den vergangenen Wochen bezifferten die Beamten auf rund 8000 Euro. Es werden Zeugen gesucht.

 Vandalismus und M?ll an Harzer Wanderwegen
Ladesäule für E-Autos und Schlossbahn

Wernigerode l Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) hat die offizielle Inbetriebnahme der Ladesäule am Anger als „großen Schritt nach vorne, was die moderne Mobilität in Wernigerode angeht“, gelobt. Dank der Stadtwerke tue sich in diesem Bereich einiges, wenngleich bei der Zahl der E-Autos noch Luft nach oben sei. „Ich denke dennoch, dass E-Mobilität die Zukunft ist“, sagt Gaffert, der als Stadtoberhaupt selbst auf diese Antriebsart setzt und mit E-Kennzeichen unterwegs ist.

Das Besondere an der neuen Ladestation am Parkplatz Anger: Die Säule ist von zwei Seiten nutzbar. Auf der einen Seite lädt die Wernigeröder Schlossbahn ihre neue, elektrisch betriebene Bahn, den „Roten Albert“ auf. Gegenüber kann die Station auch öffentlich genutzt werden, um E-Autos umweltschonend mit Wasserkraft-Naturstrom aus regenerativen Erzeugungsanlagen zu betanken.

Seit Inbetriebnahme der ersten Ladestation im Jahr 2011 sei der Stromabsatz an den Säulen in Wernigerode von 1000 auf rund 15.000 Kilowattstunden pro Jahr gestiegen, so Steffen Meinecke, Geschäftsführer der Stadtwerke. Als die Anfrage der Schlossbahn für die Station am Anger kam, habe man nicht lange gezögert und in die Ladesäule investiert. Rund 10.000 Euro koste die Errichtung einer Ladestation. „Das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Elektromobilität in Wernigerode ist noch nicht in dem Maße gegeben, wie wir es uns wünschen, aber wir sammeln Erfahrungen“, erklärt Meinecke.

Er hoffe, dass sich die Investition in Zukunft noch mehr lohnen wird und sich mehr Autobesitzer für einen Wechsel zur Elektro-Variante entscheiden. Anwohner, die die Stationen regelmäßig nutzen, zahlen eine Jahrespauschale in Höhe von 72 Euro und erhalten einen Tank-Chip und damit eine Art Flatrate, mit der sie ihre E-Mobile für umgerechnet sechs Euro im Monat in der Stadt so oft und so viel aufladen können, wie sie wollen. E-Autobesitzer auf der Durchreise können sich telefonisch eine Ladesäule freischalten lassen.

Neben diversen Elektroautos und den Elektro-Bikes und -Rollern gibt es mit der Schlossbahn nun vier Verkehrsmittel in Wernigerode, die mit Strom angetrieben werden. Der „Rote Albert“, der täglich acht Mal vom Anger zum Schloss und zurück fährt, kann mit einer vollen „Tankladung“ bis zu zwei Tage unterwegs sein.

„Die Akkus der Bahn mit 110 kWh brauchen vier Stunden, bis sie im leeren Zustand komplett aufgeladen sind“, verrät Michaela Zielke von der Wernigeröder Schlossbahn. Zum Vergleich: Ein Renault braucht dafür mit einem 22-kWh-Akku ein bis zwei Stunden.

„Der Einsatz der elektrisch betriebenen Schlossbahn ist der erste Schritt zur Umstellung unserer Bahnen hin zur E-Mobilität“, so Zielke. In den nächsten Jahren plane man, die Dieselbahnen gegen E-Fahrzeuge auszuwechseln, allerdings sei das auch eine Kostensache. „Wie schnell unser Plan umgesetzt werden kann, hängt auch von der Entwicklung der Fördertöpfe ab und wie das Thema E-Mobilität in Zukunft behandelt wird“, kündigt Zielke an. Die neue Bahn komme bei den Gästen gut an. Sie sei so beliebt, dass einige bis zu einer Stunde warten, weil sie die neue Elektro-Attraktion testen wollen.

Wer ebenfalls mitfahren möchte, kann dafür Freikarten gewinnen. Die Stadtwerke und die Volksstimme verlosen 5x2 Freitickets: Die ersten fünf Teilnehmer, die eine Mail an info@stadtwerke-wernigerode.de schicken, können schon bald zur umweltfreundlichen Testfahrt durch Wernigerode starten.

 Lades?ule f?r E-Autos und Schlossbahn
Grenzdenkmal wird restauriert

Abbenrode l Wer weiß, welche spannenden Geschichten sich die Leute in der 100 Jahre alten englischen Telefonzelle schon erzählt haben? Dabei rankt sich die spannendste vermutlich um das rote Telefonhäuschen selbst. „Aus Anlass der Grenzöffnung am 27. Januar 1990 in Abbenrode war sie als Zeichen der besseren Verständigung von westdeutschen Freunden übergeben und aufgestellt worden. Sie ist ein Symbol für eine deutsch-deutsche Freundschaft, die sich gegen die gewaltsame Trennung durchsetzte“, sagt Andreas Weihe, Vorsitzender des Heimatvereins Abbenrode.

Alles begann mit einer Einladung auf ein Bier. Im Dezember 1989 lernten sich Günter Schwarzer aus Bad Harzburg und Hermann Wellge aus Abbenrode kennen, als die Sendung „Aktuelle Schaubude“ in Stapelburg zu Gast war. Wellge wollte nach der Veranstaltung Schwarzer zu einem Umtrunk bei sich zu Hause in Abbenrode einladen. Schwarzer sagte zu.

Vorher müsse er jedoch seine Frau anrufen und Bescheid sagen, dass es später werde. Der Bad Harzburger wollte sich auf den Weg zur nächsten öffentlichen Telefonzelle machen – vergeblich, da es diese in Abbenrode, im damaligen Sperrgebiet, nicht gab.

Schwarzer, der zu der Zeit bei Siemens beschäftigt war, hat versprochen, das zu ändern. Dieses Versprechen in die Tat umzusetzen, gestaltete sich jedoch schwieriger als erwartet. Angeblich durfte laut seinem Vorgesetzten die damalige Deutsche Post keine Telefonzellen in die ehemalige DDR liefern.

So schnell wollte der Bad Harzburger sein Versprechen nicht brechen. Und er sollte fündig werden, um es halten zu können. In einer Zeitungsannonce bot ein Schwabe eine alte englische Telefonzelle zum Verkauf an. Schwarzer schlug zu.

Verrostet und ohne Scheiben, wie er sie aus Bayern erworben hatte, wollte er sie jedoch nicht den Abbenrödern schenken. Mit Hilfe von Sponsoren restaurierte er das Telefonhäuschen. Am 27. Januar 1990 wurde sie am ehemaligen Gemeindehaus aufgestellt und leistete den Abbenrödern über viele Jahre hinweg gute Dienste.

Weihe erinnert sich daran, dass das rote Häuschen jedoch zunehmend Opfer von Vandalismus wurde. Daher musste ein neuer Standort her, der mehr im Zentrum des Nordharzortes liegt. Seit 2010 steht das Einheitssymbol nun vor dem Heimatmuseum im Winkel. Nur funktionstüchtig ist sie nicht mehr. „Einen neuen Anstrich kann sie dringend vertragen. Der letzte ist zehn Jahre her“, erzählt Weihe. 2010 wurde die Zelle zuletzt instandgesetzt.

Kurzerhand hat der Heimatverein beschlossen, die Restaurierung zu organisieren, und finanzielle Unterstützung beim Land beantragt. Und das Landesverwaltungsamt hat den Abbenrödern das Geld bewilligt. Im Rahmen der Förderung der Heimat- und Traditionspflege am Grünen Band bekommt der Heimat-, Kultur- und Museumsverein rund 11.500 Euro. Damit soll das Gesamtprojekt zum Aufbau eines Grenzlehrpfades an der ehemaligen innerdeutschen Grenze gefördert werden. Rund 15.000 Euro wird das Vorhaben kosten. Dafür bringt der Heimatverein einen Eigenanteil auf und erledigt einige Arbeiten in Eigenleistung.

Andreas Weihe berichtet, dass außerdem das Aufstellen von neuen Infotafeln in Wülperode und Grenzsäulen entlang der ehemaligen Grenze im Nordharz, die Sanierung und Aktualisierung eines zentralen Informationspunktes im Altfeld sowie kleinere Anschaffungen für den Ausstellungsraum zum Thema Grenze im Heimatmuseum zu dem Projekt gehören. „Zudem werden wir eine Sonderbroschüre zur Grenzgeschichte herausgeben aus Anlass der 30-jährigen Grenzöffnung. Die Druckkosten werden auch bezuschusst.“

Wesentlicher Teil des Andenkens an die Grenzöffnung 1990 ist die rote Telefonzelle. Abbenrodes Ortsbürgermeister Wolfgang Mertins (CDU) findet: „Sie ist ein symbolischer Wert für Abbenrode. Schließlich erinnert sie uns daran, welche Hilfe wir von außen aus umliegenden Ortschaften bekommen haben.“

Die englische Telefonzelle bekommt deshalb einen frischen Anstrich. Nachdem der Zuwendungsbescheid aus Halle inzwischen eingetroffen ist, hat Andreas Weihe schon Angebote eingeholt für die anstehenden Malerarbeiten. „Einen Favoriten haben wir schon gefunden. Wir werden zeitnah einen Maler aus der Region beauftragen“, sagt er. „Es ist unsere Pflicht, etwas zu erhalten, was wir geschenkt bekommen haben und so maßgeblich zur Verständigung beitragen hat.“

 Grenzdenkmal wird restauriert
Ostrocker spielen in Jugendherberge

Wernigerode l Applaus brandet auf, als die Musiker die Bühne im Hof der Wernigeröder Jugendherberge betreten. Sie ist eigentlich zu klein für die Stern-Combo Meißen. Die fünf ostdeutschen Artrocker füllen normalerweise größere Hallen. Doch zur 20-Jahr-Feier haben die Mitarbeiter sich und ihren Gästen mit dem Auftritt ein besonderes musikalisches Geschenk beschert. Das passt zu dem Haus in Hasserode, das offiziell als Kultur-Jugendherberge firmiert und zahlreiche Musikgruppen anzieht.

Zwischen 45.000 und 47.000 Übernachtungen werden seit 2012 Jahr für Jahr in der Jugendherberge verzeichnet. Damit ist sie die Herberge mit den höchsten Übernachtungszahlen in ganz Sachsen-Anhalt. „Das Haus hält sich auf sehr hohem Niveau“, lobt Burkhard Fieber, Vorstandsvorsitzender des Landesverbandes des Deutschen Jugendherbergswerks.

Einen Eindruck von der großen Konstanz im Haus vermittelt auch eine weitere Zahl: 75 Prozent sind Stammgäste. „Das heißt, man macht nicht so viel falsch“, sagt Fieber und lobt das „gestandene kreative Team“, in dem auch nach 20 Jahren viele „Mitarbeiter der ersten Stunde“ vereint sind. Dass die Zusammenarbeit funktioniere, spiele eine große Rolle für den Erfolg, so der Landesverbandschef. „Das strahlt aus, das merken die Gäste.“

Diese gehören vor allem zu Schulklassen und Chören, erklärt der stellvertretende Jugendherbergsleiter Jörg Schlosser. Das liegt auch daran, dass das Haus in Wernigerode seit 2008 Musik- und Kulturjugendherberge ist und seinen Schwerpunkt auf die Betreuung von Musikgruppen legt.

Diese finden im Haus beste Bedingungen vor: Acht Probenräume, die zwischen 43 und 160 Quadratmetern groß sind, stehen zur Verfügung. In einem Saal können Chöre proben. Ein Konzertflügel und ein Klavier stehen bereit, ebenso Mikrofone, Chorpodeste, Bühnen für Innenräume und Auftritte im Freien sowie weitere Ausrüstung. In einem eigenen Tonstudio sind CD-Aufnahmen möglich. All dies wurde 2011 und 2012 im Zuge des Ausbaus des Dachgeschosses im Musikhaus installiert. „Wir sind weltweit die einzige Jugendherberge mit Tonstudio“, sagt Jörg Schlosser stolz.

Für die Ausrichtung der Jugendherberge habe sich schon früh Lutz Meier stark gemacht, so Fieber. Als Leiter habe er von der ersten Stunde an die Jugendherberge geprägt. Dass die Musik im Vordergrund steht, kommt nicht von ungefähr. Der Wernigeröder ist selbst Gitarrist und spielt in der Hausband „Meier & Friends“, die sich als Covergruppe im Harz einen Namen gemacht hat.

Am Sonnabend mussten die Musiker allerdings auf ihn verzichten. Der Herbergschef blieb krankheitsbedingt der Feier fern, auf die er sich auch wegen der Stargäste sehr gefreut hatte. Als begeisterter Fan der Stern-Combo Meißen hatte er die Band nach Wernigerode geholt. „Ihre Musik halte ich für die beste Ostrockmusik, die es gab und gibt“, schreibt Meier per E-Mail an die Volksstimme. Er selbst hat viele Konzerte der „Pink Floyd des Ostens“ besucht. Ihre Musik habe „etwas Festliches“ und passe hervorragend zur Jugendherberge. Wichtig ist ihm eins: „Ich möchte meinen Mitarbeitern und den Mitgliedern meiner Band ganz herzlich danken.“

Von 1927 datiert der Altbau der Jugendherberge in der Straße Am Eichberg. Von 1986 bis 1989 entstand zusätzlich der Neubau, der als Erholungsheim „Florian Geyer“ der Nationalen Volksarmee fungierte. Nach der Wende hatte die Bundeswehr dort ihr Sozialwerk, bis im Juli 1999 die Jugendherberge einzog. Anfangs verfügte sie über 205 Betten und verzeichnete 4700 Übernachtungen pro Jahr.

In den Jahren darauf stiegen die Übernachtungszahlen – von 2000 bis 2006 auf 41 500. 2006 und 2007 wurden 13 neue Gästezimmer geschaffen und die Zahl der Betten auf 245 erhöht. 26 Prozent der Übernachtungen gehen auf das Konto von Musikgruppen, Tendenz steigend. Doch auch andere nutzen die Herberge, zum Beispiel Wanderer und Eltern mit Kindern. Daher sollen in der Villa künftig neue Familienappartments geschaffen werden. Gut so, sagt Wernigerodes Baudezernent Burkhard Rudo, der für die Stadtverwaltung gratulierte. „Die Tourismusstadt braucht ein breites Spektrum an Angeboten.“ Kommentar

 Ostrocker spielen in Jugendherberge
Vergessen im Oberharzer Wald

Stiege l Der Regisseur Enno Seifried, der mehrere Filme über den Harz sowie über verlassene Orte im Mittelgebirge gedreht hat, ist gerade im Brandenburger Moor unterwegs. Auf einer Wanderung für einen neuen Dokumentarfilm quer durch Deutschland. Der Leipziger bewegt sich gern abseits der augetrampelten touristischen Pfade. Die ehemalige Lungenheilstätte in Stiege gehört zu den „Lost Places“, den verlassenen Orten, die Seifried vor einigen Jahren besucht hat.

Woher kommt das Interesse an den verlassenen Orten?
Enno Seifried: Mit verlassenen Gebäuden und Ruinen habe ich mich schon in meiner Kindheit auseinander gesetzt. In Leipzig standen halbe Straßenzüge leer und in den Ruinen habe ich als Kind gespielt. Das Interesse für die Lost-Places-Fotografie kam erst später. Es besteht darin, die Stimmung, also die Aura, der Gebäude einzufangen, teilweise eine Zeitreise zu durchleben oder auch den Verfall zu dokumentieren.

Warum ist das gerade hier im Harz spannend?
Die Region hat mich schon immer interessiert. Anfangs nur als Naturgebiet zum Wandern. Fasziniert hat mich als erstes der Gegensatz zu Großstädten. Ich habe Urlaub im Harz gemacht, da bin ich einfach nur gewandert. Für mich bietet die Gegend die perfekte Mischung: Ich liebe die Natur und verlassene Orte. Auf einmal ging es ganz schnell und ich habe mich in den Harz verliebt.

Was ist das Besondere am Albrechtshaus?
Das Albrechtshaus liegt einsam und abgeschieden mitten im Wald und hat als ehemalige Heilstätte einen besonderen Charme. Die Geschichte der Heilstätten im Harz finde ich außerdem sehr spannend. So wusste ich schon vorher, dass es die Lungenklinik hier gibt.

Wie haben Sie die Zeitzeugen gefunden?
Ich habe natürlich vorher schon im Internet recherchiert. Aber tatsächlich bin ich vor Ort von Tür zu Tür gezogen und habe einfach bei den Leuten geklingelt. Ich habe Menschen gesucht, die in der Nähe wohnen und mir was dazu erzählen können. Letztlich habe ich sogar einen Zeitzeugen getroffen, der sozusagen im Albrechtshaus aufgewachsen ist und mir wunderbare Geschichten erzählen konnte.

Was halten Sie vom Projekt zur Versetzung der Stabkirche in den Ort Stiege?
Wenn ich mich richtig erinnere gibt es nur zwei Holzkirchen im Ostharz. Allein dieser Fakt macht sie so bedeutend. Davon abgesehen, ist es ein wunderschönes Gebäude, das es unbedingt wert ist, gerettet zu werden. Der Standort ist ungünstig und die Gefahr groß, dass Vandalen und die Witterung dem Gebäude weiter zusetzen. Da ist halt nichts weiter außer Wald und somit auch wenig attraktiv für Touristen. Als ich das Gelände damals besucht habe, war die Versetzung der Kirche schon im Gespräch. Es ist erstaunlich, wie lange die Anwohner schon für dieses Projekt brennen. Auf der anderen Seite ist es traurig, dass es nicht noch mehr Unterstützung findet.

Die Geschichte hinter welchem verlassenen Ort war am spannendsten? Oder was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Es sind die Geschichten, die sich hinter den Mauern abgespielt haben, die mich besonders interessieren. So unterschiedlich die Orte sind, so unterschiedlich sind auch die Zeitzeugen. Einige Geschichten sind sehr emotional. Und ich will da jetzt eigentlich niemanden und keinen Landstrich herausgreifen, denn damit würde ich den anderen Unrecht tun.

Ist ein weiterer Film über verlassene Orte im Harz geplant?
Es gibt auf jeden Fall noch weitere verlassene Orte im Harz. Aber zum jetztigen Zeitpunkt sage ich, es wird keine Fortsetzung geben. Mir gefällt die Trilogie und mit dem Film 700 Kilometer Harz ist das insgesamt ein schöner Abschluss. Das klingt für mich vollständig. Das heißt aber nicht, dass ich da letzte Mal im Harz gewesen. Ich werde immer wieder kommen. Gerade erst war ich an der Teufelsmauer wandern.

 Vergessen im Oberharzer Wald
Brocken-Horchkuppel steht in Benneckenstein

Benneckenstein l Sieben Tonnen schwer, rund vier Meter hoch und einen Durchmesser von zwölf Metern – das letzte Puzzlestück der Brockenmoschee erweist sich für das Team des Ostdeutschen Fahrzeugmuseums in Benneckenstein als das kniffligste. „Der glasfaserverstärkte Kunststoff ist über die Jahre porös geworden, hoffentlich bricht das Dachstück beim Aufsetzen nicht auseinander“, so die Sorge von Mario Tänzer vom Familienbetrieb am Mittwochnachmittag. Kurz darauf setzt ein Kran des Silstedter Abschleppdienstes PTP die Halbkugel auf die unteren zwei Schalenringe der Abhörkuppel.

Eine halbe Stunde später Erleichterung: Das Rund liegt auf dem Sockel, nun beginnt die Millimeterarbeit. „Einige Segmente der Kuppel scheinen einen kreisförmigen Querschnitt zu haben, andere einen ovalen – so müssen wir sie per Hand anpassen, damit sie exakt sitzen und mit dem Rest der Konstruktion verschraubt werden können“, erläutert Tänzer.

Bis tief in die Abendstunden schuften sein Team, PTP-Mitarbeiter und der Benneckensteiner Abschleppunternehmer Peter Vogeley, ziehen die Kuppelteile mit Spanngurten in Position und schrauben sie passgenau auf den Unterbau. Gegen 21 Uhr am Mittwoch ist das Dach endlich dicht.

Der 36-Jährige und sein Team hatten Mitte April mit dem Aufbau des Riesenpuzzles begonnen. Dieses stellte sich als echte Herausforderung heraus: „Jedes der rund 60 Einzelteile ist zwar nummeriert. Doch wir hatten keinen Plan, wie sie zusammenghören.“ Zudem nisteten sich Vögel im zusammengebauten Kuppeldach ein. „Wir konnten sie nicht rauswerfen, haben mit der Montage gewartet, bis die Jungen ausgeflogen waren“, sagt Mario Tänzer. Das habe die Bastler drei Wochen gekostet.

Vor dem Aufsetzen des Dachs auf den Kuppel-Unterbau legte Marcel König aus dem Museumsteam dennoch Sonderschichten ein: „Er hat binnen drei Tagen noch 450 der Spezialschrauben anbgebracht.“

Damit ist die Abhörkuppel, in der bereits eine alte Radarschüssel steht, bereit für Besucher am Wochenende bei den Tagen der Technik im Fahrzeugmuseum. Doch das Projekt ist für die Benneckensteiner noch nicht beendet. Das Radom soll in seine Originalfarbe – einen Grauton – umlackiert werden. Bei der Expo 2000 in Hannover diente die Kuppel als Wahrzeichen der Jugendstadt Jam-City – und erhielt einen knallroten Anstrich. Über das niedersächische Lehrte, wo die Einzelteile jahrelang lagerten, gelangte das insgesamt 22 Tonnen schwere Stück Spionagegeschichte aus dem Kalten Krieg schließlich 2018 in den Oberharz.

„Der Transport war extrem aufwendig“ erinnert sich Mario Tänzer. Er geht davon aus, dass die Kosten für die Rekonstruktion letztendlich im fünfstelligen Bereich liegen. Ein Klacks im Vergleich zu den Produktionskosten der Kuppel – laut dem Benneckensteiner rund vier Millionen DDR-Mark.

„Das war damals absolute Spitzentechnik“, so der Bastler vom Museum in der Stadt am Dreiländereck. Hergestellt worden sei die Kuppel in den DEFA-Filmstudios in Potsdam Babelsberg – nicht aus Stahl, sondern nahezu komplett aus Kunststoff, um den Radarquerschnitt der Anlage zu senken.

Ein Rätsel um das rekonstruierte Ungetüm bleibt ungelöst: Wer im Kalten Krieg unter dem Halbrund residiert hat. Sowohl Stasi als auch die Rote Armee hatten auf dem Brockenplateau in 1141 Metern Höhe ihre Abhörtechnik aufgebaut, trauten sich aber gegenseitig nicht über den Weg.

 Brocken-Horchkuppel steht in Benneckenstein