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Neuer Zoff um Schierke-Arena

Wernigerode l Es ist nur ein Punkt unter vielen auf der Liste der Bauvorhaben, die die Stadt Wernigerode in den Jahren 2020 bis 2023 plant. Doch die Produktstelle 5.1.1.01. birgt Sprengstoff: Unter dem Titel „Stadtumbau Schierke, Arena“ sind 700.000 Euro für 2020 eingestellt, 180.000 Euro sind für 2021 vorgesehen. Warum dies – ist die knapp neun Millionen Euro teure Feuerstein-Arena nicht längst fertig? Das wollten die Mitglieder des Wernigeröder Bauausschusses in ihrer jüngsten Sitzung wissen. Frank Beimel, Sachgebietsleiter des Hochbauamts, wollte Auskunft geben – aber nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Was hinter verschlossenen Türen dargelegt wurde, bringt die Ausschussmitglieder aus der Fassung: Unter dem Punkt werden vor allem die Schlussrechnungen für verschiedene Baulose, also Teile des Gesamtprojekts, zusammengefasst. Ebenso die Schlussrechnungen von Ingenieurbüros, die noch beglichen werden müssen.

Der größte und zugleich strittigste Posten ist nach Volksstimme-Informationen eine offene Rechnung der Firmen Umwelttechnik und Wasserbau (U & W) und Stratie aus Blankenburg. Darin werden der Stadt rund 600.000 Euro netto aufgrund von Bauzeitverzögerungen in Rechnung gestellt. Inklusive Mehrwertsteuer erhöht sich die Summe auf mehr als 700.000 Euro.

Im Rathaus wird diese Forderung zwar nicht anerkannt – offenbar wird aber damit gerechnet, zumindest einen Teil der Summe bezahlen zu müssen: 300.000 Euro der im Haushalt veranschlagten Summe sind dafür reserviert.

Zum Hintergrund: Die beiden Firmen hatten für den Arena-Bau eine Arbeitsgemeinschaft gebildet. Die strittige Rechnung bezieht sich auf zwei Lose, mit denen die Unternehmen beauftragt worden waren. Diese erledigten die maßgeblichen Betonarbeiten und bauten die großen Fundamente für das Dach. Nachdem im Mai 2016 im Brockenort der Startschuss gefallen war, kamen die Bauarbeiten zeitweilig ins Stocken.

Verantwortlich waren dafür nach Volksstimme-Informationen nicht nur der felsige Untergrund, sondern auch organisatorische Mängel. Diese sorgten dafür, dass die Bauunternehmen erheblich länger auf der Arena-Baustelle gebunden waren als geplant – die dadurch entstandenen Schäden wollen die Firmen ersetzt haben.

An Fahrt gewann der Konflikt seit Jahresbeginn 2019. Die Wernigeröder Stadtverwaltung hatte eine Schlussrechnung bei den Unternehmen angemahnt, rechnete aber mit einem niedrigen fünfstelligen Betrag. Kurz darauf flatterte die um ein Vielfaches höhere Forderung der beiden Bauunternehmen ins Haus. Die Stadtverwaltung hält diese Ansprüche jedoch für unbegründet und unzureichend untersetzt und verweigert daher seitdem die Zahlung.

Inzwischen hat sich aber wohl die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Stadt gezwungen sein könnte, zumindest Teile der geforderten Summe zu zahlen. Ein Gerichtsverfahren sei kostspielig und sein Ausgang ungewiss, weshalb Anwälte nach Volksstimme-Informationen zu einer außergerichten Einigung rieten. Eine solche könne auf verschiedenen Wegen erreicht werden, beinhalte aber in vielen Fällen ein Entgegenkommen beider Seiten, was Teilzahlungen einschließen könnte.

Dafür sind demnach die besagten 300.000 Euro im Haushalt 2020 vorsorglich eingeplant worden. Entsprechend liest sich die offizielle Stellungnahme aus dem Rathaus, die lediglich aus dem folgenden Satz besteht: „Die im Haushaltplanentwurf 2020 für die Schierker Feuerstein Arena beantragte Ausgabensumme beinhaltet größtenteils als kaufmännische Sicherheit einen Anteil für den Fall, dass entgegen der Auffassung der Stadt Wernigerode doch berechtigte Forderungen am Projekt beteiligter Firmen nachgewiesen werden können.“

Welche Schritte die beiden Firmen unternehmen werden, ob sie eine außergerichtliche Einigung oder doch eine Klage gegen die Stadt anstreben, ist derweil noch unklar. U & W-Geschäftsführer Jörn Frankenfeld war am Mittwoch, 22. Januar, für Volksstimme-Nachfragen nicht erreichbar.

Offen ist derzeit zudem, ob die Stadtratsmitglieder bei den Etatberatungen mitziehen und die zusätzlichen Arena-Kosten, wie von der Verwaltung vorgesehen, im Haushalt verankern. Im Bauausschuss wurde über das Zahlenwerk abgestimmt – nach den vorhergehenden Enthüllungen war die Stimmung sichtlich angespannt. Einhellig enthielten sich die sieben anwesenden Mitglieder der Stimme. Im Wirtschaftsausschuss, in dem ebenfalls nichtöffentlich zur Sache informiert wurde, enthielten sich fünf Mitglieder, drei stimmten zu.

 Neuer Zoff um Schierke-Arena
In alte Musikschule zieht Leben ein

Wernigerode l Den Safe mit dem grauen Türchen hat André Sonsalla in der Badezimmerwand gelassen – neben Spiegel, Ablage und Waschbecken. „Früher hatte die Leiterin der Musikschule hier ihr Büro“, sagt der Wernigeröder – heute befindet sich dort ein modernes Badezimmer mit blinkenden Armaturen und bodengleicher Dusche. Sonsalla hat das historische Gebäude an der Friedrichstraße gekauft und baut es seit mehreren Jahren zum Wohnhaus um – eine erste Wohnung ist fertiggestellt, weitere drei sollen folgen.

Der 39-Jährige ist gelernter Koch und hat in seinem Leben schon viele unterschiedliche Berufe ausgeübt. Dass er Eigentümer einer so ungewöhnlichen Immobilie werden würde, hätte er sich lange nicht träumen lassen. Zu verdanken hat er dies seiner Großmutter Gisela. Sie begleitete ihn vor acht Jahren zur Auktion in Leipzig, bei der das Objekt unter den Hammer kam. „Auch als unser Limit eigentlich schon erreicht war, bot sie weiter mit und erhielt schließlich den Zuschlag“, erinnert sich André Sonsalla, der daraufhin alle Hebel in Bewegung setzen musste, um den Kaufpreis aufzubringen.

In der Familie stieß er mit seiner Neuerwerbung auf geteilte Meinungen. „Mein Vater hat mich für verrückt erklärt“, sagt der 39-Jährige mit einem Lachen. Das hielt Norbert Sonsalla aber nicht davon ab, seinen Sohn tatkräftig zu unterstützen – als Bauingenieur und ehemaliger Mitarbeiter des Bauamts kennt er sich mit den Fallstricken der Bauplanung und den nötigen Formalitäten aus. Zwar sei das Gebäude nach jahrelangem Leerstand nicht in gutem Zustand gewesen, doch die Sanierung lohne sich – „so, wie sich der Immobilienmarkt entwickelt hat“, sagt der Senior. Die Nachfrage nach Wohnraum ist groß, weiß André Sonsalla, der laufend Anfragen bekommt. „Der Markt in Wernigerode brennt“, sagt er.

Dennoch hat der Hausbesitzer, der hauptberuflich in der Konditorei Wiecker arbeitet, einige Jahre Anlauf gebraucht, bevor die Sanierung richtig ins Rollen kam. Den Ausschlag gab seine Schwester, die vor zwei Jahren in den Harz zurückkehren wollte und eine Bleibe suchte. Binnen drei Monaten haben er und die anderen Familienmitglieder für sie die erste Wohnung fertiggestellt. „Meine Schwester hat hier tatsächlich früher Unterricht gehabt. Sie wohnt jetzt in ihren alten Übungsräumen“, berichtet Sonsalla. Viele ehemalige Schüler interessieren sich für das Gebäude, in dem sie jahrelang ein- und ausgingen und ein Instrument erlernten.

Großes Interesse erregt der frühere Musikschulsaal – doch was aus dem 125 Quadratmeter großen und 4,80 Meter hohen Raum werden soll, weiß Sonsalla noch nicht. Auch dazu hat er viele Anfragen potenzieller Mietinteressenten erhalten, von einer Tanzschule über Puppentheater bis hin zum Indoor-Spielplatz reichten die Vorschläge. Überzeugt hat ihn bisher noch niemand. „Da suche ich noch das Perfekte.“

Momentan dient der Saal ohnehin als Werkstatt. „Das ist sehr hilfreich“, so der gebürtige Wernigeröder. Lange Bretter lagern auf Holzböcken und warten darauf, zersägt zu werden, weiteres Material lagert im Saal und in den Fluren. Den Ausbau erledigt André Sonsalla weitgehend selbst – mit tatkräftiger Hilfe seiner Familie, unter anderem von seinem Onkel Eberhard Mehle. „Ohne die Familie wäre das alles gar nicht möglich“, betont André Sonsalla.

Derzeit bauen die beiden die ehemalige Hausmeisterwohnung aus. „Die Räume waren total verbaut. Wir haben sie komplett entkernt“, berichtet der Eigentümer. Mit alten Balken und einer original erhaltenen Wendeltreppe soll das historische Flair erhalten bleiben. Zwei weitere Wohnungen entstehen in ehemaligen Unterrichtsräumen, eine davon soll barrierefrei ausgebaut werden.

Im Jahr 1748 wurde das Gebäude an der Friedrichstraße 1a errichtet. Sein Kern ist die gräfliche Malzmühle, die bereits seit 14. Jahrhundert an dieser Stelle nachweisbar sei, teilt Rathaussprecher Tobias Kascha auf Volksstimme-Nachfrage mit. Gespeist wurde die Wassermühle vom Stillen Wasser, die anliegende Straße An der Malzmühle wurde nach ihr benannt. Zeitweilig war dort eine Reifen- und Vulkanisierwerkstatt untergebracht. Zu DDR-Zeiten erfolgte der Um- und Erweiterungsbau zur Kreismusikschule. Über die Geschichte des Gebäudes würden die Eigentümer gern mehr in Erfahrung bringen, sagt André Sonsalla. „Wir haben zum Beispiel kein Fotos oder Bilder des alten Mühlenrads.“

 In alte Musikschule zieht Leben ein
Test für Elektrobus in Wernigerode

Wernigerode l In Wernigerode testen die Harzer Verkehrsbetriebe (HVB) einen voll elektrisch angetriebenen Stadtbus. Auf den Stadtlinien 201 und 204 ist in den nächsten zwei Wochen ein umweltfreundlicher Elektrobus (E-Bus) unterwegs. Die Nutzung ist für alle Fahrgäste kostenlos.

Das von Mercedes Benz zur Verfügung gestellte Modell vom Typ E-Citaro ist ein zwölf Meter langer, barriefreier Standard-Niederflurbus. Der Antrieb erfolgt mittels zweier Elektromotorene. Fahrgäste erkennen den Bus an seiner Farbe – statt wie gewohnt weiß-blau trägt er gelb, da er für die Berliner Verkehrsbetriebe vorgesehen ist. „Außerdem wird der E-Probebetrieb außen angezeigt“, erläutert HVB-Geschäftsführer Christian Fischer. Das Paket von zehn Hochvolt-Batteriemodulen schafft nach Angaben der Hersteller eine Reichweite von ungefähr 150 Kilometern im Linienbetrieb. Damit haben die HVB – zumindest zeitweise – die einzige Flotte in Sachsen-Anhalt, in der ein E-Bus im Linienverkehr eingesetzt ist, so Fischer. Neben USB-Ladestationen ist der Bus auch mit einer Klimaanlage und Monitoren im Fahrgastbereich ausgestattet.

„Die Themen Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit im Öffentlichen Personennahverkehr stehen für uns im Vordergrund“, berichtet der HVB-Chef. „Schon jetzt ist unsere Flotte von 135 Bussen zu 34 Prozent klimaneutral mit CNG unterwegs“, so Fischer. Die Abkürzung steht für „Compressed Natural Gas“ – zu deutsch komprimiertes Erdgas, ein Kraftstoff der anstelle von Benzin, Diesel und Flüssiggas verwendet werden kann. Damit seien die HVB in Sachsen-Anhalt führend im Bereich sauberer Antriebstechniken.

Werkstättenleiter Dirk Blum durfte den E-Bus bereits probeweise durch Wernigerode fahren und ist vom Fahrverhalten des 20-Tonners überzeugt. „Über ein Luftfedersystem erkennt der Bus, wie viele Passagiere zusteigen und regelt danach automatisch die Heizung“, erklärt Blum. Je mehr Fahrgäste, desto weniger Energie werde verbraucht.

Trotzdem werden die HVB künftig nicht auf die elektrobetriebenen Fahrzeuge setzen. Das liege vor allem an den Kosten. Elektrobusse seien mit 750 000 Euro mehr als dreimal so teuer wie ein Standard Diesel-Bus, so Fischer. Ein zweiter Punkt sei die Reichweite. Um einen regelmäßigen Linienverkehr aufnehmen zu können, müssten 19 normale Busse mit 40 E-Bussen plus Fahrer ersetzt werden. Mittelfristig setzten die HVB deshalb komplett auf Hybrid-Busse, erläutert der Verkehrsbetriebe-Chef. Ein entsprechendes Fahrzeug ist bis Sommer 2021 in der HVB-Flotte unterwegs.

Der CNG-Hybrid des Herstellers MAN ist ein 18 Meter langer Niederflur-Gelenkbus. „Das Fahrzeug wird von einer Mischung aus klassischem Verbrennungs- und Elektromotor angetrieben“, so der HVB-Geschäftsführer. „Die Hauptkomponente ist ein verschleißfreier Elektromotor.“ Ziel sei, weniger Kraftstoff zu verbrauchen, Schadstoffe sowie Geräuschemissionen zu mindern. Eingesetzt wird er am Standort Halberstadt im Überlandverkehr, so Fischer.

Die Busse im Betriebshof Wernigerode bleiben rein erdgasbetrieben, so Fischer. Der Brennstoff werde von den Stadtwerken geliefert. Die wiederum beziehen es zu 100 Prozent von einem Biogasbetreiber. Anders sei es auf dem Betriebshof in Quedlinburg. Dort gäbe es keine Gastankstelle mehr, sodass dort nur der klassische Diesel eingesetzt werden könne. Zukünftig solle jedoch auch hier auf die Mischversion aus Diesel und E-Motor gesetzt werden.

 Test f?r Elektrobus in Wernigerode
Privater Helfer für Harzer Feuerwehren

Stapelburg l Er hat ein sehr kostspieliges Hobby, kann im Ernstfall aber sogar zur Rettung von Leben beitragen. Die Rede ist vom Stapelburger Unternehmer Denis Maldet. Sein Bauunternehmen ist im gesamten Bundesgebiet aktiv, der Chef aber sehr oft zu Hause. Denn dort wird er ebenso dringend gebraucht, wie auf seinen beruflichen Standorten. Und das hängt mit dem Hobby des 44-Jährigen zusammen – er sammelt und restauriert ausrangierte Feuerwehrtechnik.

Das macht er zum einen aus Spaß, er stellt seine Arbeit aber zum anderen auch in den Dienst der Allgemeinheit. Maldet ist nicht nur seit vielen Jahren Mitglied der Einsatzgruppe der Stapelburger Ortsfeuerwehr, er leitet inzwischen auch den Förderverein der Brandschützer und stellt besagte Privattechnik für Einsätze zur Verfügung.

Bei der Beringung der ersten Weißstörche im Horst auf dem Schornstein des Landschulheims Grovesmühle stellte Maldet dem Beringer kostenfrei seine Drehleiter zur Verfügung. Die Leiter hat er nach wie vor und hält sie in Reserve.

Aktuell wird er aber mit einem anderen Fahrzeug, das er selbst konstruiert hat, öfter zu Einsätzen gerufen – einen Wagen mit Löschwasser-Reserve. Dieses Fahrzeug hat Maldet amtlich zugelassen bekommen und ist sogar in den Einsatzszenarien der Harzer Rettungsleitstelle vermerkt, wenn irgendwo dringend Löschwasser benötigt wird. Die Volksstimme begegnete Denis Maldet beim jüngsten Großbrand einer Scheune in Wasserleben. Als dort anfangs das Wasser knapp war, wurde Maldet mit seinem Fahrzeug von der Rettungsleitstelle zum Brandort gerufen.

„Benötigt wurde mein Tanker letztlich nicht, aber die Einsatzleiter sind stets froh, wenn sie mein Fahrzeug als Reserve in der Hinterhand haben“, sagt der engagierte Unternehmer, der sich schon seit Kindertages für die Feuerwehrtechnik begeistert. „Im Prinzip habe ich mir das Ganze selbst ausgedacht. Eingeflossen sind meine Erfahrungen als Feuerwehrmann und meine Überlegungen zu möglichen Einsatzvarianten“, sagt Maldet, dessen „privates Löschwasser“ für etwa eine Viertelstunde reicht.

Kernstück des Fahrzeugs ist ein 6000-Liter-Wassertank. Der ist fest auf dem Chassis verschraubt und mit mehreren Rohren ausgestattet. Diese münden in einem Verteiler, der das Anschließen mehrerer Abnehmer ermöglicht. Pumpen sorgen für den nötigen Druck und selbst an einen Teleskop-Lampenmasten hat Maldet gedacht, denn es brennt ja auch mal nachts.

„Seit etwa einem Jahr bin ich mit dem Fahrzeug in der Einsatzstruktur und wurde schon mehrfach alarmiert. Meine weiteste Reise führte mich im Sommer 2019 in die Nähe von Frose (Stadt Seeland im Salzlandkreis), weil dort eine große Strohdieme auf einem Feld brannte und auf Feldern allgemein keine Hydranten zur Verfügung stehen“, sagt Maldet. Auch zu mehreren Waldbränden sei er schon mit rausgefahren, denn auch dort sind die Löschtrupps zumeist allein auf das Wasser angewiesen, das sie selbst in ihren Tanks mitbringen. Da sind die 6000 Liter aus dem privaten Tankfahrzeug stets willkommen.

Für die Zukunft hat Denis Maldet noch einige Bastelpläne in Sachen Feuerwehrtechnik – eine private Feuerwehr strebt er allerdings nicht an, das sei dann doch eine Pflichtaufgabe jeder Kommune. Doch wenn er mit seinem Hobby helfen könne, Sachwerte und Leben zu schützen, dann tue er dies gern.

 Privater Helfer f?r Harzer Feuerwehren
Car-Sharing im Harz eingestellt

Wernigerode l Ein Auto nehmen: genau dann, wenn man es braucht und nur für diese Zeit bezahlen. Klingt erstmal ideal. Genau das ist Car-Sharing, also zu deutsch: Wenn mehrere sich ein Auto und die damit verbundenen Kosten teilen. „Das Prinzip ist schnell erklärt“, sagt Philipp Hallermann. „Wenn Leute nur unregelmäßig ein Auto für einen kurzen Zeitraum brauchen, ergibt es Sinn.“

Philipp Hallermann ist Geschäftsführer der Auto Ackert GmbH mit Filialen in Wernigerode, Halberstadt und Quedlinburg. Das Unternehmen, das sein Ur-Großvater Heinrich Ackert vor 115 Jahren gegründet hat, war bis vor Kurzem der einzige Car-Sharing-Anbieter weit und breit – bis am 20. Dezember 2019 das Geschäftsmodell eingestellt wurde. „In Spitzenzeiten hatten wir zwölf Fahrzeuge im Carsharing“, berichtet er. „Damit waren wir bis kurz vor Berlin der größte Anbieter.“

Hallermann sagt das nicht ohne Stolz, versteht er sich doch als Umweltschützer und ist bekennender Fan des Modells. „Ich habe zwölf Jahre lang in Stuttgart verbracht, dort ist Car-Sharing gelebte Realität und aus dem Alltag nicht wegzudenken“, sagt er. „Ich habe es als größte Selbstverständlichkeit wahrgenommen.“

Als er 2017 das Autohaus übernahm, bestand das Angebot bereits. Es war kurz zuvor von seinem Vorgänger eingeführt worden. „Ford hat sich damals verstärkt dem Thema Car-Sharing gewidmet und ist auf die Händler zugekommen, die dieses Modell dann mit Unterstützung von Ford umsetzen konnten“, erläutert er. „Die Motivation dahinter ist, Menschen in Kontakt mit der Marke Ford zu bringen, die vielleicht sonst nie in einem Ford gesessen hätten.“ Es sei damit auch ein Marketing-Instrument.

Und so funktioniert Car-Sharing: Der Anbieter stellt das Auto. Der Nutzer zahlt per App oder Kreditkarte eine Pauschale pro Stunde oder Kilometer und kann dann das Auto nutzen. Der Fahrer muss bei Ackert wenigstens 21 Jahre alt sein. „Der Nutzer überprüft vor Fahrtantritt, ob das Auto sauber ist oder Schäden hat“, erläutert Philipp Hallermann. „Sind Schäden vorhanden, werden sie per App registriert und der vorhergehende Fahrer übernimmt sie.“

Dort liege auch der Haken. „Der bürokratische Aufwand hat enorme Personalressourcen gefordert“, legt er dar. „Hinweise und Meldungen haben eine Mitarbeiterin täglich mehrere Stunden mit der Schadensabwicklung beschäftigt.“

Noch dazu seien die Abrechnungsmodalitäten zwischen den Subunternehmen, die die Fahrzeuge anbieten wie Flinkster, einer Tochter der Deutschen Bahn, und dem Autohaus ein einziger „Nebel“ gewesen. „Nur mit großem zeitlichen Aufwand ist Transparenz in die Abrechnungen zu bringen. Jeder Partner hat unterschiedliche Abrechnungszeiträume.“

Im Grunde hätte er eine komplette Stelle nur für das Car-Sharing vorhalten müssen. Doch der Grundgedanke – Autohaus stellt Fahrzeuge und übernimmt lediglich die Verträge und die Nutzer kümmern sich um Beseitigung von Müll, Reinigung, Tanken und Schadensabwicklung untereinander – sei nicht erfüllt worden. Trotz des personellen Aufwands hätte Philipp Hallermann das Angebot gern fortgeführt – hätte nur die Auslastung gestimmt.

Auto Ackert hatte zuletzt fünf Fahrzeuge im Car-Sharing in Wernigerode an der Hochschule Harz sowie am Autohaus in der Theodor-Fontane-Straße, in Halberstadt und Blankenburg. Auch am Bahnhof in Wernigerode standen zwei Autos bereit. Im Grunde hätten immer wieder dieselben 20 bis 30 Kunden regelmäßig das Angebot in Anspruch genommen. „Viele sind Hochschulmitarbeiter oder Pendler, die bei Zugausfällen auf das Fahrzeug zurückgreifen wollten“, erklärt er. „Touristen nutzten Car-Sharing nicht.“ Auto Ackert habe in der Hochschule Harz während der Orientierungstage mit mehreren Hundert Studierenden an einem großen Messestand mit kostenfreien Anmeldungen für das Car-Sharing geworben. „Was denken Sie, wie viele Studenten das genutzt haben?“, fragt er. „Kein einziger.“

Die schlechte Resonanz, verbunden mit den Personalkosten, habe letztlich den Ausschlag gegeben, das Angebot einzustellen. „Stünde am Ende die schwarze 0, hätten wir es fortgeführt.“ Ein weiterer Anbieter aus Wolfenbüttel habe das Angebot ebenfalls eingestellt. „Für mich hat Car-Sharing nach wie vor einen hohen ideellen Wert, es ist ein Symbol für ein fortschrittliches Unternehmen.“

 Car-Sharing im Harz eingestellt
Heiraten in Wernigerode bleibt angesagt

Wernigerode l 426 Liebespaare haben 2019 in Wernigerode den Bund fürs Leben geschlossen. Wernigerode wird damit einmal mehr seinem Ruf als Hochzeitsmekka gerecht. Die Nachfrage von Brautpaaren ist riesig. Zwar ist der Spitzenwert von 2018 mit insgesamt 451 Hochzeiten nicht erreicht worden. „Grundsätzlich ist die Tendenz aber seit Jahren steigend“, informiert Wernigerodes Rathaussprecher Tobias Kascha.

Den Einbruch in 2019 erklärt Kascha mit der Flut an Veranstaltungen im Vorjahr – so viele wie noch nie. „Zusätzlich zu den regulären Veranstaltungen wie Altstadtfest, Rathausfest, Weintage und Schokoladenfestival hatten wir den Deutschen Schützentag und das Lampionfest.“ Dazu kamen die Bauarbeiten an der Fernwärmeleitung vor dem Rathaus.

Die Mitarbeiter des Standesamtes würden Paare im Vorfeld darüber informieren, wenn am gewünschten Hochszeitstermin der Marktplatz belegt ist. „Natürlich versuchen wir beides in Einklang zu bringen“, versichert Kascha. So hätten beispielweise die Liebenden, die sich 2019 während des Lampionfestes das Ja-Wort gegeben haben, einen bestickten Lampion geschenkt bekommen.

Für viele Paare sei ein belegter Markt aber ein Grund, ihren Hochzeitstermin zu verschieben. Ziel der Verwaltung sei es laut Kascha, das richtige Verhältnis zwischen Veranstaltungen und Pflichtaufgabe zu finden. Denn genau das seien Trauungen nämlich für das Standesamt. „Ich gehe davon aus, dass wir in 2020 unterm Strich wieder mehr Hochzeiten haben werden“, so der Sprecher.

Aber nicht nur im Rathaus können Hochzeitspaare ihre Ringe tauschen. 51 Mal wurde 2019 auf dem Wernigeröder Schloss geheiratet. Nach der Sanierung der desolaten Sanitäranlagen steht auch das Schierker Rathaus wieder als Ort für Trauungen zur Verfügung. Dort wurden im vergangenen Jahr vier Ehen geschlossen. Insgesamt elf Mal sagten Brautpaare im Trauzimmer auf der verglasten Aussichtsplattform des Brockens ja.

Zukünftig soll es für Liebespaare noch eine weitere Örtlichkeit geben. „Wir diskutieren gerade, wo wir in Wernigerode Hochzeiten unter freiem Himmel anbieten können“, verrät der Rathaussprecher. So sei unter anderem der Bürgerpark als Location denkbar und werde geprüft. „Als Schlechtwettervariante müssen wir allerdings immer einen geschlossenen Raum in unmittelbarer Nähe vorhalten.“

Heiraten in Wernigerode oder in den Außenstellen des Standesamtes ist nicht nur bei Einheimischen, sondern auch bei Verliebten von auswärts beliebt. Und das zum Teil sogar von sehr weit auswärts. Vietnam, Ungarn, Philippinen, Großbritannien, USA, Thailand, Peru und Italien sind nur einige Länder, aus denen die Hochzeitswilligen des vergangenen Jahres stammten.

Mit dem 9. 9. 2019 und dem 19. 9 2019 gab es 2019 wieder zwei Schnapszahlen-Termine, die bei den Brautpaaren ganz besonders beliebt waren. An beiden Tagen wurden jeweils zehn Paare getraut. Für die vier Mitarbeiterinnen des Standesamtes bedeutete das Arbeiten im Akkord, wie sich Tobias Kascha erinnert. „Drei von ihnen haben die Paare verheiratet.“ Die vierte Kollegin habe die Sprechzeiten abgesichert. Schließlich fallen im Standesamt noch andere wichtige Aufgaben an, wie beispielsweise das Erstellen von Geburts- und Sterbeurkunden.

Wernigerode verstehe sich nach wie vor als Hochzeitsstadt und will mit der Konkurrenz mithalten. Deshalb wird offensiv um Brautpaare geworben. So werden Hochzeitswilligen in Broschüren auf Hochglanzpapier die Vorzüge Wernigerodes angepriesen. Gleichzeitig werden Vorschläge für Fotografen, Hochzeitsmode und vieles mehr unterbreitet. Zudem findet jedes Jahr im Herbst eine Hochzeitsmesse im Marstall statt – organisiert von der Wernigerode Tourismus GmbH. „Das zeigt, dass wir das Thema ernst nehmen“, so Kascha.

Übrigens: Die Terminvergabe für 2020 läuft bereits seit September 2019. Wer sich also mit dem Gedanken trägt, in diesem Jahr in Wernigerode den Bund fürs Leben schließen zu wollen, muss sich ranhalten. „Eine Vielzahl der beliebten Termine an den Wochenenden ist bereits vergeben“, sagt Tobias Kascha. Aber nachfragen lohnt sich. „Es gibt noch verschiedene Reserven.“

 Heiraten in Wernigerode bleibt angesagt
AfD-Fraktion schwächt sich

Wernigerode l Paukenschlag bei der AfD-Fraktion im Wernigeröder Stadtrat: Die bisher aus drei Mitgliedern bestehende Fraktion hat ein Mitglied weniger. Der parteilose Ulrich Szepat ist aus der Fraktion ausgeschlossen worden, nachdem er sich zuvor eine öffentliche Schlammschlacht mit Fraktionskollegen geliefert hatte. Die zieht Szepat mit seinem Austritt nun gewissermaßen mit in die Tiefe, denn die Fraktion verliert laut Stadtverwaltung in allen beratenden Ausschüssen des Stadtrates ihren Sitz an die Kollegen der Links-Fraktion.

Auslöser des von Szepat mit viel Getöse inszenierten Fraktionsaustritts war ganz offensichtlich eine simple E-Mail-Umfrage der Volksstimme. Zum Jahresbeginn waren alle Fraktionschefs im Stadtrat angeschrieben worden, um die Ziele und Vorhaben für das Jahr 2020 in Erfahrung zu bringen.

Bei der AfD-Fraktion löste diese Anfrage einen Sturm im Wasserglas aus, der fraktionsintern in ein heftiges Erdbeben mündete. Der AfD-Fraktionsvorsitzende Kai-Uwe Uebner leitete die Anfrage der Volksstimme an seinen Stellvertreter Ulrich Szepat sowie an Fraktionsmitglied Axel Neumann weiter. Uebner wollte die Volksstimme nach eigenen Worten umfassend informieren und bat vorab seinen beiden Fraktionskollegen um eine inhaltliche Zuarbeit. „Vielleicht hätten sie ja noch eine Anmerkung gehabt, an die ich nicht gedacht habe“, erklärt Uebner sein Vorgehen.

Das allerdings ging voll nach hinten los. Ulrich Szepat fühlte sich von der Anfrage veranlasst, sich gegenüber der Volksstimme zu offenbaren: „Ich fühle mich mit der AfD-Fraktion nicht verbunden“, heißt es in der vorliegenden E-Mail. Mehr noch: „Die Politik der AfD habe ich noch nie für voll genommen“, so der 58-Jährige weiter.

Dabei hatte Szepat noch bei der jüngsten Stadtratswahl im Mai vorigen Jahres keine Berührungsängste mit der Alternative für Deutschland erkennen lassen. Als parteiloser Anwärter kandidierte der Architekt für die AfD und schwamm auf deren Erfolgswelle in den Stadtrat, wo er seither mit Fraktionschef Kai-Uwe Uebner und Axel Neumann eine Fraktion gebildet hat. Ein vierter Sitz im Stadtrat, den die AfD mit Blick auf die Stimmen errungen hatte, blieb mangels Kandidaten verwaist.

Szepats Verbindungen zur AfD sind indes nicht neu. In der Vergangenheit war der heute 58-Jährige unter anderem in Brandenburg (Havel) als sachkundiger Einwohner im Auftrag der dortigen AfD-Fraktion politisch aktiv.

Nachdem Szepat später aus persönlichen Gründen von Brandenburg in den Harz gewechselt war, startete er hier bei der nun verhassten AfD-Fraktion politisch neu durch.

Dabei wollte er – zumindest in der Vergangenheit – nicht nur als parteiloses Fraktionsmitglied agieren. Der in Wernigerode lebende Architekt trug nach eigenen Angaben schon seit Frühjahr vorigen Jahres einen AfD-Aufnahmeantrag mit sich herum. Diesen, so Szepat, habe er zurückgezogen. Warum? Anlass sei „Rassismus der AfD gegen Inländer“ gewesen, den er bei der Geburtstagsfeier eines AfD-Mitglieds erlebt habe. Als gebürtiger Rheinländer habe er eine „übelste Schimpfe auf Westdeutsche“ hinnehmen müssen, präzisiert Szepat auf telefonische Nachfrage. „Außerdem wurde dort nur rumgejammert und auf andere geschimpft – nach dem Motto, dass immer die anderen schuld seien“, erinnert er sich.

Seine Sicht und Einstellung zu entscheidenden Punkten habe er Fraktionschef Uebner bereits zum Beginn der Stadtrats-Legislaturperiode deutlich gemacht. Bei Anträgen mit rassistischem Hintergrund oder vergleichbaren Debatten würde er die Fraktion sofort verlassen.

Ein Fakt, der nunmehr steht: Fraktionschef Kai-Uwe Uebner nahm Szepats öffentliche Äußerungen sofort zum Anlass, seinem Stellvertreter den Stuhl vor die Tür zu setzen. Das Auschluss-Votum sei aufgrund „diametraler politischer Ansichten und der Verunglimpfung der AfD-Fraktion sowie persönlicher Falschbehauptungen“ erfolgt, so Uebner.

Nachdem Uebner parallel auch das Stadtratsbüro informiert hatte, war im Stadtrat Stühlerücken angesagt. Die AfD-Fraktion schrumpft von drei auf künftig zwei Mitglieder, behält nach den Worten von Verwaltungs-Justiziar Rüdiger Dorff aber ihren Fraktionsstatus. Konsequenzen gebe es dennoch: In allen beratenden Ausschüssen – Bau, Wirtschaft, Kultur sowie Finanzen, Soziales und Ordnung – verliere die Fraktion Sitz und Stimme. Besonders pikant: Nach Dorffs Worten profitiert die Linksfraktion vom AfD-Scharmützel und übernimmt deren Ausschuss-Sitze. Allein im beschließenden Hauptausschuss verfüge die AfD wie bisher über einen Sitz.

Szepat will, wie er gegenüber der Volksstimme erklärt hat, nun zunächst als fraktionsloser Abgeordneter im Stadtrat arbeiten. „Ich warte ganz entspannt ab, ob ich mit einer anderen Fraktion Kontakt aufnehme.“ Nur die Linke scheide für ihn grundsätzlich aus.

Um sich von der AfD radikal abzugrenzen, geht Szepat noch weiter: Seit Januar ist er Mitglied des Vereins „Gesicht zeigen“. Der Verein mit Sitz in Berlin tritt laut eigenem Internetauftritt für ein weltoffenes, tolerantes Deutschland ein und ermutigt Menschen, gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismuss, Antisemitismus und rechtsextreme Gewalt aktiv zu werden.

 AfD-Fraktion schw?cht sich