Logo
Navigation
Kopfzeile
hoehenmesserAbstand www.aiyoota.com eCommerce Online-Shop ShopSoftware CMS Content-Management-System WDPX-Frank Wollweber, 38855 Wernigerode, Germany

Aktuelle Nachrichten

Aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Harz. Erfahren Sie, was los ist. - Powered by Volksstimme.de

Schmierereien an Gedenkstein im Harz

Harzgerode (vs) l Mit einem Hakenkreuz haben Unbekannte die Vorderseite eines Gedenksteins des an der B 242 bei Harzgerode gelegenen jüdischen Friedhofs beschmiert. Nach Polizeiangaben ereignete sich die Tat zwischen Montag, 14 Uhr, und Mittwoch 10 Uhr. Auf der Rückseite waren zudem SS-Runen aufgesprüht.

Die Beamten haben ein Verfahren wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eingeleitet. Der Staatsschutz ermittelt. Mitarbeiter des örtlichen Bauhofs haben umgehend damit begonnen, die Schmierereien auf dem seit längerer Zeit geschlossenen Friedhof zu beseitigen.

 Schmierereien an Gedenkstein im Harz
Zoff um Weihnachtsbaum in Wernigerode

Wernigerode l Kurt Reichel ist entrüstet. Am 20. November sollen morgens die Motorsägen anrücken. Im Auftrag der Stadtverwaltung Wernigerode wird eine der Fichten im Park am Floßplatz gefällt. Nicht etwa, weil von dem Nadelbaum eine Gefahr ausgeht, sondern damit er ein paar Wochen lang auf dem Weihnachtsmarkt stehen kann, bevor er dann entsorgt wird.

Für Kurt Reichel und seine Nachbarn ist das „Umweltfrevel“. „Im Wald sterben überall die Fichten“, sagt der Hasseröder. „Und hier haben wir einen gesunden Baum, der gefällt werden soll?“ Reichel schüttelt seinen Kopf. „Dabei brauchen wir doch heutzutage wirklich jeden Baum – gerade wegen der Kohlendioxid-Belastung.“

Der Rentner ist nicht einfach nur ein Anwohner. Kurt Reichel hat eine ganz besondere Beziehung zu der Fichte in der Parkanlage. Er selbst war es nämlich, der den Nadelbaum vor fast 30 Jahren mit einem weiteren in dem Park gepflanzt hat. „Die kleinen Fichten stammten aus meinem Garten.“ Sie hätte sich dort selbst ausgesät, sagt der gelernte Gärtner. Eine dritte folgte ein paar Jahre später. „In den Park musste einfach was hin.“ Die Fichten wuchsen zu stattlichen Bäumen – sehr zur Freude von Reichel und seinen Nachbarn am Floßplatz. Und damit soll nun Schluss sein?

Aus Sicht der Stadtverwaltung: ja. In Sachen Weihnachtsbaum stand man im Wernigeröder Rathaus bis vor kurzem noch mit dem Rücken zur Wand. Das Problem: Im stadteigenen Forst, in dem der Christbaum traditionell geschlagen wird, war einfach keine geeignete Fichte mehr zu finden. Trockenheit und Borkenkäfer hatten den Nadelbäumen in den vergangenen Jahren heftig zugesetzt.

Was also tun, damit Wernigerode in der Adventszeit nicht gänzlich auf seinen Hingucker verzichten muss? Die Stadtverwaltung startete einen Aufruf: Wer hat eine schöne Fichte auf seinem Grundstück stehen, die ohnehin weg muss? Die Resonanz war überwältigend. Mehr als 50 Bäume wurden angeboten, darunter sogar Mammutbäume und Fichten von auswärts.

„Wenn es so viele Alternativen gibt, warum muss es ausgerechnet unser Baum sein?“, fragt sich Kurt Reichel nun. Zumal gar nicht alle Bäume begutachtet wurden. Das habe er von einem Nachbarn erfahren. Der hatte seine Fichte vorgeschlagen. „Er hat daraufhin aber weder jemanden von der Stadtverwaltung gesehen, noch hat er eine Absage erhalten.“

Alle eingegangenen Angebote seien „gesichtet und geprüft“ worden, versichert Stadtsprecher Tobias Kascha auf Volksstimme-Nachfrage. Anhand von Luftbildern und der eingesandten Fotos habe man eine Vorauswahl getroffen. Einige Bäume seien den Stadtgärtnern bereits bekannt gewesen. Andere Angebote aus der Vorauswahl seien besichtigt worden. Viele Bäume hätten nicht mehr sehr gesund ausgesehen, „was sich in einem ausgedünnten Nadelbild“ gezeigt habe, so Kascha weiter. Wichtigstes Kriterium sei aber die gefahrlose Fällung der Bäume gewesen.

„Letztlich mussten wir uns wir uns doch für einen städtischen Baum entscheiden.“ Und dieser sei laut Kascha gar nicht so vital, wie die Anwohner am Floßplatz annehmen. „Man kann nicht mehr von einem gesunden Baum sprechen oder versichern, dass er noch ein, drei oder fünf Jahre dort steht“, teilt der Rathaussprecher mit. So sei nicht einmal hundertprozentig sicher gewesen, dass der Baum im November noch genügend Nadeln hat. „Denn auch er wird bereits in der Spitze leicht schütter.“ Man habe sich also nicht „wahllos“ für einen gesunden Baum entschieden, sondern „bewusst ausgesucht“.

Die Alternative wäre ein „kaum nachhaltiger künstlicher Baum oder der völlige Verzicht auf einen leuchtenden Baum“, so Kascha. Das sei wohl kaum von Einwohnern und Gästen gewollt, „sind wir doch als Touristen- und Weihnachtsstadt für unseren Weihnachtsbaum vor dem historischen Rathaus bekannt“.

Für Kurt Reichel ist das kein Trost. Er zweifelt die Aussagen der Stadtverwaltung an. „Dass der Baum angeblich befallen ist, ist doch nichts weiter als ein Alibi“, sagt der Rentner gegenüber der Volksstimme . Um nachzuweisen, dass der Borkenkäfer im Baum sei, müsse man ein Stück Rinde abtrennen. „Die Rinde ist aber nach wie vor intakt.“ Es hilft nichts: Wenn kein Weihnachtswunder geschieht, müssen sich Reichel und seine Nachbarn wohl oder übel an die Lücke in ihrem Park gewöhnen.

 Zoff um Weihnachtsbaum in Wernigerode
So fiel die Grenze in Stapelburg

Stapelburg l Vor genau 30 Jahren stand Steffi Geisler an der gleichen Stelle. Damals mit ihrem eigenen Kind auf dem Arm und voller Unglauben, dass das Geschehen um sie herum Realität ist, wie sie berichtet. Die Grenze, die 28 Jahre lang den Osten vom Westen trennte, war geöffnet. Um sich das mit eigenen Augen anzusehen, sei sie damals aus Abbenrode gekommen. 10 957 Tage später, erläutert die Lehrerin Drittklässlern aus Stapelburg, wie sie sich damals fühlte, warum es ein Tag zum Feiern ist und warum hier so viele Menschen aus Sachsen-Anhalt und Niedersachsen zusammenkommen.

„Bis vor 30 Jahren durfte hier niemand hergehen“, sagt sie zu den Kindern. Können die überhaupt schon begreifen, was eine Grenze mitten in Deutschland bedeutet? „Es ist erstaunlich, wie viel sie schon wissen“, sagt Steffi Geisler. „Sie stellen viele Fragen, das Thema interessiert sie.“

Die Grundschüler warten gespannt darauf, sich den ehemaligen Grenzbunker und alte Militärfahrzeuge, die auf dem Gelände ausgestellt werden, anzusehen. Derweil präsentieren ältere Schüler – vom Landschulheim Grovesmühle, dem Fallstein-Gymnasium Osterwieck, vom Gerhart-Hauptmann-Gymnasium Wernigerode und vom Niedersächsischen Internatsgymnasium Bad Harzburg – Besuchern der Gedenkveranstaltung des Landes Sachsen-Anhalt und des Harzkreises ihre Auseinandersetzungen mit der jüngeren deutschen Geschichte. Die Jugendlichen zeigen selbst gedrehte Filme und Interviews mit Zeitzeugen wie Benno Schmidt alias „Brocken-Benno“, präsentieren Info-Tafeln und stellen Projekte vor.

Das Osterwiecker Gymnasium besitzt die Patenschaft für das Grenzdenkmal in Wülperode, welches in der Nacht zum 9. November von Unbekannten zerstört wurde. „Lassen Sie sich davon nicht entmutigen“, appelliert Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). Er verspricht in der Festveranstaltung: „Wir bauen das gemeinsam wieder auf.“ In dem Fall ermittelt nun der polizeiliche Staatsschutz.

Haseloff ist gemeinsam mit Umweltministerin Claudia Dalbert (Bündnis 90/Grüne) zum Empfang der Gemeinde Nordharz am Grenzdenkmal am Grünen Band in Stapelburg gekommen. In seiner Ansprache betont er, wie sehr die Ereignisse vor 30 Jahren ihm in Erinnerung geblieben sind. Und in seinem Ausweis. Das Visum, das er 1989 für Grenzübertritte ausgestellt bekommen habe, trage er darin bis heute bei sich, verrät er, bevor er wieder ernst wird. „Die Menschen haben sich zu Recht das Recht genommen, die Mauer einzureißen.“ Das gelte insbesondere für die Stapelburger, die in Sichtweite zu den niedersächsischen Nachbarn lebten, ohne sie je erreichen zu können.

Heute, 30 Jahre nach dem Mauerfall, gebe es noch immer Unterschiede zwischen Ost und West, räumt der Ministerpräsident ein. „Aber man darf die Lebensleistung, was bisher erreicht wurde, nicht klein reden“, betont er. „Wir können dankbar dafür sein, dass wir heute hier nicht mehr im Todesstreifen sind.“ Haseloff fordert Lehrer und Eltern auf, die Geschehnisse an die folgenden Generationen zu vermitteln.

Interessiert die das überhaupt? Wollen Schüler von heute wissen, was damals passiert ist? „Ich finde das alles sehr spannend“, sagt Marika Linde aus Wernigerode. „Meine Eltern haben mir ganz viel erzählt. Bei ihren Geschichten habe ich mit ihnen gelitten und mich gefreut“, sagt die 15-Jährige.

Wie die Familie der Schülerin erinnern sich dieser Tage viele an die turbulente Zeit rund um die Grenzöffnung. Zu ihnen zählen Margot und Joachim Kiesl. Die beiden leben heute in Seesen, vor 30 Jahren wohnten sie bei Eberswalde (Brandenburg). „Meine Schwester und ich wollten am 10. November 1989 zu unserer Tante nach Bad Harzburg reisen, sie hatte einen Tag später 50. Geburtstag.“

Das Visum schon in der gepackten Tasche, hörte die heute 65-Jährige vom Mauerfall in Berlin – und hat es nicht fassen können. Am nächsten Tag habe sie sich dort auf dem Weg zur Grenze in einem Menschenauflauf wiedergefunden – wohl als eine der wenigen, die ein Visum hatten. Die Grenzöffnung, so sagt sie, sei „das Beste, was passieren konnte“. Sie könne nicht verstehen, dass es bis heute Menschen gibt, die das anders sehen. Ihr und ihrem Mann seien keine Vorurteile entgegengebracht worden, als sie vor 22 Jahren als „Ossis“ nach Seesen zogen. Für das Ehepaar ist es wichtig, heute – natürlich nachdem sie der Tante in Bad Harzburg zum 80. Geburtstag gratuliert haben – beim Jubiläum in Stapelburg dabei zu sein.

Hier sind Werner Simon und Peter Röhling gefragte Interviewpartner. Sie waren damals aktiv an der Grenzöffnung beteiligt – der eine auf DDR-Seite, der andere in der BRD.

Röhling, damals 24 Jahre alt, arbeitete gerade am Haus, das er im 500-Meter-Sperrgebiet in Stapelburg gekauft hatte. „Meine Frau hörte im Radio, dass die Grenze geöffnet werden soll.“ Also habe er Kaffee, Kuchen, Kinder und Stühle ins Auto gepackt und sei losgefahren. Die Grenzer wollten ihn jedoch nicht durchlassen, berichtet der Stapelburger den Besuchern. Unter anderem hätten die Soldaten gesagt, dass ihnen das Werkzeug fehle. „Das war unser Stichwort. Wir waren mit dem Trabbi da, da hat man immer Werkzeug dabei“, berichtet Röhling und erntet dafür Lacher aus dem Publikum.

Auf der anderen Seite der Grenze stand vor 30 Jahren Werner Simon, seit 1966 beim Bundesgrenzschutz. „Eine echte Überraschung“ seien die DDR-Bürger gewesen, die einfach die Grenze auseinander geschraubt haben. „Dafür gibt es kein Drehbuch“, sagt Simon. Bis heute halten die beiden Männer Kontakt und berichten von ihrer ersten Begegnung. Erst vor wenigen Tagen war Röhling dafür in Lochtum eingeladen. „Vor 30 Jahren war es einfacher zum Mond zu kommen, als dahin“, sagt er. Er appelliert an die Schüler: „Hört euch die alten Kamellen an. Man darf die Geschichten nicht vergessen.“

 So fiel die Grenze in Stapelburg
Staus an Auffahrt Blankenburg-Zentrum

Blankenburg l Mehr Zeit einplanen müssen Autofahrer derzeit an Blankenburgs Ortsausgang Richtung Heimburg und Langenstein. Lange Schlangen von Pkw und Lkw bildeten sich am Montag, 11. November, auf der Neuen Halberstädter Straße/ B81. Der Grund für die Staus: Die Auffahrt Blankenburg-Zentrum auf die Autobahn 36 in Richtung Braunschweig/ Wernigerode ist voll gesperrt.

„Die Asphaltdecke der Anschlussstelle wird erneuert“, erläutert Andreas Tempelhof, Sprecher des Verkehrsministeriums von Sachsen-Anhalt, auf Volksstimme-Anfrage. Geplant sei, dass die Auffahrt am Freitag, 22. November, gegen 15 Uhr wieder freigegeben werden soll. „Wenn das Wetter mitspielt“, so Tempelhof über die am 6. November begonnenen Bauarbeiten.

Der Ministeriumssprecher empfiehlt Autofahrern die ausgeschilderten Umleitungen über die benachbarten A36-Anschlussstellen Heimburg und Blankenburg. Die Bauarbeiten an der Auffahrt Blankenburg-Zentrum gehören zu einem Sanierungsprogramm, mit dem Stück für Stück die im Fachjargon Rampen genannten Straßenstücke erneuert werden.

 Staus an Auffahrt Blankenburg-Zentrum
Barrierefreies Reisen im Harz

Wernigerode/Goslar (dpa) l Wanderwege für Rollstuhlfahrer, barrierefreie Ausstellungen und Hubwagen für einen leichten Zustieg in die Brockenbahn: Barrierefreies Reisen gewinnt im Harz an Bedeutung. "Das Thema ist seit langem wichtig für uns", sagte die Sprecherin des Nationalparks Harz, Mandy Gebara, in Wernigerode. Bei Neu- und Umbauarbeiten werde darauf geachtet, dass alle Gäste und Mitarbeiter die Nationalparkhäuser und Besucherzentren gut nutzen könnten. So gebe es mittlerweile rollstuhlgerechte Büroräume, ausgewiesene Parkplätze und barrierefreie Sanitäranlagen. Auch bei Ausstellungen, Waldpfaden und Ausflugsorten in den höheren Lagen werde an Menschen mit Behinderungen oder Einschränkungen gedacht. Allerdings gebe es noch weiteren Handlungsbedarf.

In Deutschland lebten etwa zehn Millionen Menschen mit Behinderungen, sagte die Sprecherin des Harzer Tourismusverbands, Christin Wohlgemuth, in Goslar. "Ein Großteil der Betroffenen möchte auch die Chance erhalten, in den Urlaub zu fahren", erklärte sie. Bei Projekten zum barrierefreien Reisen im Harz seien zahlreiche Ideen in den vergangenen Jahren entstanden und umgesetzt worden. Nicht nur Menschen mit Gehbehinderungen, sondern auch seheingeschränkte, gehörlose oder anderweitig beeinträchtigte Menschen wurden berücksichtigt.

So wurde die im Oktober neu eröffnete Nationalparkausstellung im Brockenhaus auf dem höchsten Berg des Harzes für Menschen mit Behinderungen grundlegend verbessert, erklärte Mandy Gebara. Unter anderem wurde eine bisher nur über Treppen erreichbare Empore mit einem durchgängigen Rundweg für Rollstuhlfahrer ausgestattet.

Viele Exponate in den drei Ausstellungsetagen würden nun über Audio-Module erklärt, hieß es. "Im Multimediaguide sind zudem Audiotexte als Lesetexte verfügbar, Schriftgrößen und Kontrasteinstellungen können auf die persönlichen Bedürfnisse angepasst werden", sagte Gebara. Um überhaupt zum Brockenhaus zu gelangen, können Rollstuhlfahrer in den schneefreien Monaten dank sogenannter Hubwagen in die Brockenbahn gelangen und auf die Kuppe fahren.

"Neben solchen Großprojekten sind wir aber auch stolz auf viele kleine Fortschritte", sagte Gebara weiter. Es gebe mehr Rampen, behindertengerechte Toiletten, Leitsysteme für blinde und sehbehinderte Menschen, ein rollstuhlgerechtes Erlebnis-Kino und neue Ausschilderungen in den Waldgebieten.

Derzeit werde eine Ausstellung im Haus der Natur in der niedersächsischen Stadt Bad Harzburg bis zum kommenden Frühjahr erneuert. "Aktuell noch vorhandene Treppenstufen werden dann Geschichte sein", so die Sprecherin. "Zudem setzen wir auf eine kontrastreiche Gestaltung, kurze Texte, viele Audioinhalte und das Mehrsinnesprinzip."

Da der Harz oft bergig und steil sei, bevorzugten viele Menschen mit Behinderungen die Fachwerkstädte mit ihren zahlreichen Kultur- und Freizeiteinrichtungen, erklärte Wohlgemuth. Auch in den beliebten Touristenorten werde auf Barrierefreiheit geachtet. Doch die Umstellung habe ihren Preis.

"Je nach Projekt reichen die Kosten von einigen Arbeitsstunden der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen oder Ehrenamtlichen bis hin zu fünfstelligen Summen bei größeren Bauvorhaben", betonte Gebara. Das Indoor-Spielehaus in Halberstadt etwa habe sich auf Besucher mit Handicap spezialisiert und viel Geld investiert, nannte Wohlgemuth als Beispiel. "Hierfür gab es auch Fördergelder in Höhe von 1,6 Millionen Euro vom Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr."

Die barrierefreien Angebote sind den Angaben zufolge beliebt. "Die Resonanz ist gut und die Angebote werden angenommen", sagte Gebara. So sei direkt zur Ausstellungseröffnung im Nationalpark-Besucherzentrum Brockenhaus eine Besucherin mit Rollstuhl aus den Niederlanden mit ihrer Familie zu Gast gewesen. "Sie äußerten sich sehr begeistert", so die Sprecherin. Auch die Harz-Information will weiter barrierefreie Vorhaben unterstützen. Denn: "Von Hotelpartnern aus dem niedersächsischen Harz wissen wir, dass die wenigen barrierefreien Zimmer immer stark nachgefragt sind."

 Barrierefreies Reisen im Harz
Innenminister zurück bei seinen Wurzeln

Darlingerode l Wie Zufälle neue Lebensläufe schreiben können, davon kann Holger Stahlknecht eine ganze Menge erzählen. Denn dass der gebürtige Hannoveraner sich einmal im ostdeutschen Bördedorf Wellen niederlassen oder gar in Sachsen-Anhalt Politik machen würde, damit habe er vor dem Mauerfall nie gerechnet: „Ich hatte ganz andere berufliche Vorstellungen. Ich wollte immer Anwalt werden und habe schon als Student in einer Anwaltskanzlei gearbeitet.“ Nach dem zweiten Staatsexamen sollte er sogar als Partner in die Kanzlei einsteigen. „Aber dann hat der Seniorpartner mit Mitte 40 auf einer Reise nach Afrika einen schweren Schlaganfall erlitten, sodass er berufsunfähig wurde. Und dann flog diese Kanzlei auseinander. Damit war meine Planung weg“, resümiert er.

Stahlknecht plante um, wollte sein Glück im Staatsdienst versuchen und bewarb sich in Niedersachsen, Sachsen, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. „In Sachsen-Anhalt waren sie einfach am schnellsten. Ich hatte hier das erste Vorstellungsgespräch – das war am Geburtstag meiner Mutter, dem 29. Mai 1995“, weiß er noch heute wie aus dem Effeff. Die Zusage sei noch am selben Tag gekommen. Der studierterJurist baute in Magdeburg die Staatsanwaltschaft im Bereich Wirtschaftskriminalität mit auf.

Wiederum die Umstände waren es, die ihn und seine heutige Frau samt Hund und Klavier ins 1280-Seelendorf Wellen in der Börde verschlugen. „Wir wollten keine Wohnung. Erstens hatten wir einen Hund. Zweitens wollte ich – wenn ich Lust dazu habe – um 23 Uhr auch mal Chopin oder Jazz spielen, ohne dass da einer mit dem Besenstiel an die Wände hämmert. Aber 1995 ein Haus in Magdeburg zu mieten, das ging einfach nicht“, blickt Stahlknecht zurück. Ein Reihenhaus in Gerwisch war auch keine Option, lediglich in Wellen fand das Paar ein zu vermietendes freistehendes Haus.

Die neuen Nachbarn blieben nicht lange unbemerkt. „Die Menschen im Dorf bekamen schnell mit, dass ich Staatsanwalt war, und haben mich manchmal nach Rechtsdingen gefragt. Dann habe ich geholfen und wir hatten am nächsten Tag als Dankeschön einen Karton Eier vor der Tür stehen oder einen Blumenstrauß“, beschreibt er die herzliche Mentalität. Dass er aus dem Westen kam, sei nie negativ aufgenommen worden.

„Ich habe viel mit den Leuten geredet, ich war ja auch neugierig, wie deren Leben war. Und ich muss sagen, dass wir von den Menschen super herzlich behandelt und aufgenommen wurden. Ich habe dieses Ost-West-Denken nie gepflegt, weil für mich der Mensch zählt, völlig egal, woher er kommt. Und ich habe es, genau wie meine Frau, niemals persönlich im Alltag erlebt.“

Plötzlich Thema wurde seine Herkunft erst, als er, wiederum durch einen Zufall, in die Politik geraten sei. Erst als parteiloser Bürgermeister im Heimatdorf Wellen, später als CDU-Politiker auf Kreis- und Landesebene. „Als es damals um gewisse Positionen ging, kam die Frage auf, ob das unbedingt einer sein muss, der hier zugezogen und ein typischer Wessi ist. Auf einmal war das eine Argumentation, um vielleicht auch jemanden in seiner Karriere zu bremsen“, kritisiert Stahlknecht rückblickend. Heute spiele das keine Rolle mehr.

Dabei hat der Politiker persönlich eine starke Verbindung zum östlichen Teil Deutschlands. Sein Großvater wuchs in Oschersleben auf, sein Vater verbrachte seine Kindheit in Leipzig, hat später in Leuna gearbeitet – bis er kurz vor dem Mauerbau geflohen ist, erzählt der heutige Innenminister. „Meinen Vater habe ich als äußerst disziplinierten Menschen erlebt – aber als die Mauer fiel, war es das einzige Mal, dass ich ihn habe weinen sehen“, erinnert sich Holger Stahlknecht an die emotionalen Ereignisse. Die neue Generation der Familie sei nun wieder im Osten verwurzelt. „Ich habe zwei Söhne – 17 und 20 –, die sind Ur-Magdeburger und fühlen sich auch als solche. Unser großer Sohn studiert in Leipzig. Damit ist die Familie wieder da angekommen, wo sie irgendwann mal herkam.“

Und genau für diese nachwachsende Generation, für die die Teilung keine Rolle mehr spiele, müsse man noch mehr Perspektiven schaffen und nach vorne schauen. Diskussionen über das, was man nach der Wende hätte alles anders und besser machen können, seien wichtig, aber nicht zielführend. „Wir brauchen etwas Positives, wir müssen die Menschen begeistern“, betont er. „Und wir müssen denen, die dieses Land bis jetzt gestaltet haben, Danke sagen.“

 Innenminister zur?ck bei seinen Wurzeln
Neuer Hingucker in Wernigerodes Neustadt

Wernigerode l Auf Wernigerodes unterer Breiter Straße sind Bagger und Bauarbeiter wieder flanierenden Besuchern gewichen. Dazu wartet die Hauptschlagader der Innenstadt mit einem neuen Hingucker auf: An der Bronzestatue einer Kiepenfrau halten Touristen und Einheimische, lassen sich mit dem Kunstwerk fotografieren.

Die Figur wurde mit dem Ende des dritten Bauabschnitts der Straßensanierung fertiggestellt, doch ihre Vorgeschichte reicht viel weiter zurück: „Ich bin in der Breiten Straße aufgewachsen und habe bis heute meinen Lebensmittelpunkt hier – die Idee einer neuen Skulptur an dieser Stelle verfolgte mich seit Jahren“, sagt Matthias Winkelmann. Der Goldschmiedmeister habe mit dem Planungsbeginn zum Ausbau der Straße 2015 den Entschluss gefasst: „Vor oder neben dem Krummelschen Haus als einem Wahrzeichen der Neustadt will ich ein Stück Harzer Geschichte zum Anschauen und Anfassen.“

Sowohl Anwohner als auch das Wernigeröder Bauamt hätten mit großem Zuspruch auf den Vorschlag reagiert. „Zur Auswahl standen zwei Motive: Ein Hirte mit Kuh oder die Kiepenfrau – in ihrer Zeit quasi eine Art Stadt- oder Fremdenführerin.“ Aufgrund des geringen Platzangebotes gegenüber der Einmündung zur Johannisstraße und der geringeren Kosten habe sich Winkelmann schließlich für die Dame in traditioneller Tracht, der Nenne, mit Holz und „Kienäppeln“ im Gepäck entschieden.

„Als wir uns den Standort näher anschauten, war klar: Die Figur soll nicht stehen, sondern Besucher zum Verweilen einladen.“ Also sollte die Bronze auf einem Stein sitzen oder sich anlehnen. „Was bietet sich dafür besser an als ein Granitfindling aus dem Brockengebiet?“, fragt der Juwelier. Mit dem befreundeten Steinmetzmeister Enrico Frieseke und Baudezernent Burkhard Rudo fand Winkelmann einen passenden Stein für die Sitzgelegenheit in Schierke und transportierte ihn nach Wernigerode.

Nun musste ein Künstler gefunden werden, der die Bronzeplastik so plant, dass sie auf dem Findling Platz nehmen kann: Dank Frieseke kam der Kontakt mit Bildhauer Günter Dittmann, damals Leiter der Steinmetzschule im niedersächsischen Königslutter, zustande. Nach einer kurzen Bedenkzeit sagte der inzwischen 67-Jährige, der 2008 bereits das Bronzemodell der Stadt Wernigerode vor dem Rathaus sowie 2006 ein ähnliches für Goslar geschaffen hatte, zu. „2017 übergab er mir schließlich ein Wachsmodell im entsprechenden Maßstab zur Präsentation“, berichtet Matthias Winkelmann.

Bis September 2018 modellierte Dittmann nach der Vorlage eine Gipsfigur in der Originalgröße von etwa 1,50 Metern. Mit der galt es nun, eine Gießerei zu finden. „So viele davon gibt es in Deutschland nicht – fündig geworden sind wir schließlich in Rinteln“, sagt der Wernige-röder. Mit dem Familienbetrieb im Weserbergland sei man sich schnell einig geworden.

Einzige offene Frage: Wie die Kosten für die repräsentative Plastik stemmen? „Immerhin benötigten wir rund 22.000 Euro“, so Winkelmann. Doch dank großer Spendenbereitschaft von Unternehmern und Privatleuten sowie Unterstützung des Wernigeröder Kunst- und Kulturvereins sei der Betrag schnell zusammengetragen worden. „Das hat mich beeindruckt – und zeigt: Das Interesse an einer Verschönerung der Neustadt ist da“, gibt sich der Initiator hoffnungsvoll.

In den ersten Tagen seit dem Aufstellen der Kiepenfrau habe Winkelmann bereits beobachtet: „Wenn ich aus dem Ladenfenster schaue, sehe ich fast immer Neugierige, die mit der Plastik für Fotos posieren oder sich neben ihr auf den Findlingen kurz ausruhen und entspannen.“ So wie es einst die Harzer Kiepenfrauen auf ihrem Weg vom Wald in die Wernigeröder Neustadt taten.

 Neuer Hingucker in Wernigerodes Neustadt
Harzer auf Hilfsmission in Afrika

Ilsenburg/Windhoek l Wellblechhütten, soweit das Auge reicht, Armut – und ein kleiner Funke Hoffnung. Das ist Katutura (frei übersetzt: „Der Ort, an dem niemand leben will“), Elendsviertel von Namibias Hauptstadt Windhoek. Lichtblick für die Bewohner und besonders die Jüngsten unter ihnen ist eine Suppenküche, die ein Team Ehrenamtlicher seit 2005 betreibt. Sechs Sozialarbeiter aus dem Harz sind derzeit im südwestafrikanischen Land unterwegs, um dem Projekt weiterzuhelfen.

Ihr Ziel: Ein Grundstück für die spendenfinanzierte Küche in der Armensiedlung finden. Für ein eigenes Haus konnte genug Geld gesammelt werden. „Das wäre wahnsinnig wichtig, damit sich die Helfer nicht immer im Gemeindehaus des Slums einmieten müssen“, erläutert Evelyn Zinke, ein Mitglied der Reisegruppe.

Ein erster Termin mit einem Immobilienmakler hätte zwar noch keine Ergebnisse gebracht. „Aber wir suchen weiter, geben nicht auf“, berichtet die Stadtjugendpflegerin der Stadt Oberharz am Brocken. Dazu habe man sich ebenfalls mit der Stadtverwaltung von Windhoek getroffen.

Bei dem rund zweiwöchigen Fachkräfteprogramm des Ilsenburger Vereins „Kultur, Bildung und Freizeit“ in Namibia gelte es zudem, die seit elf Jahren bestehende Kooperation der Harzer und der Suppenküche auszubauen, so Vereinschef Sebastian Umbach. „Wir wollen unseren afrikanischen Partnern mit neuen Ideen, Netzwerkpflege und finanzieller Unterstützung weiterhelfen“, sagt der Ilsenburger.

Binnen 14 Tagen waren im Vorfeld der Reise mehr als 2100 Euro an Spenden für das Projekt im ärmsten Viertel Windhoeks zusammengekommen. „Dieses Geld haben wir zu 100 Prozent für Lebensmittel und Equipment der Suppenküche ausgegeben“, berichtet Umbach.

2018 hatten einige Mitglieder des Teams der Einrichtung um Initiator Samuel Kapepo zuletzt den Harz besucht. Über Sozialarbeit im Südwesten Afrikas und das Projekt informierten sich die Sozialarbeiter 2016 vor Ort. „Das Wiedersehen mit dem Suppenküche-Team, das wir vor drei Jahren kennengelernt haben, war absolut herzlich“, sagt Evelyn Zinke.

Ein weiterer fester Bestandteil der Namibia-Austausche: Beschäftigung mit der deutschen Kolonialzeit und Postkolonialismus. Dazu ist die sechsköpfige Reisegruppe nun in den Süden des Landes am Atlantik gefahren, unter anderem in die Hafenstadt Lüderitz.

Von dort aus geht es am nächsten Dienstag wieder zurück nach Windhoek – um weiter an der Zusammenarbeit der Suppenküche mit der Stadtverwaltung zu feilen. Und noch einmal mit dem Immobilienmakler ins Gespräch zu kommen, wie Zinke betont.

Das Namibia-Projekt des Ilsenburger Vereins wird von der Deutsch-Namibischen Gesellschaft und dem Bundesfamilienministerium unterstützt. Den Großteil der Reisekosten tragen die sechs Sozialarbeiter aber selbst. „Das ist es wert – weil es ein absolutes Herzblut-Projekt für uns ist“, sagt Zinke.

 Harzer auf Hilfsmission in Afrika
Brandstiftung in Drübecks Klosterkirche

Drübeck l Unbekannte Täter haben am Donnerstagnachmittag, 7. November, versucht, Teile des Inventars der Klosterkirche St. Vitus in Drübeck in Brand zu setzen. Darüber informierte die Polizei des Harzer Reviers am Sonnabend. Bei dem Versuch wurden eine Altardecke, ein Gesangsbuch sowie ein Thermometer, welches sich an der Rückseite des dreiteiligen Altarbildes aus dem 12. Jahrhundert befand, beschädigt. Das Altarbild der Kirche selbst wurde nicht in Mitleidenschaft gezogen.

Ein Ermittlungsverfahren wegen versuchter Brandstiftung wurde eingeleitet. Spezialisierte Kriminaltechniker haben am Brandort die Untersuchungen aufgenommen. Eine Schadenshöhe konnte bislang nicht beziffert werden.

Die Straftat ist nicht die erste in den vergangenen Jahren. So war die Drübecker Klosterkirche mehrfach das Ziel von Dieben und Sachbeschädigungen. Vor wenigen Jahren wurden mehrfach Spendensammelbehälter gewaltsam aufgebrochen. Auch damals ermittelte die Polizei.

Kloster-Geschäftsführer Karl-Heinz Purucker war angesichts der erneuten Taten fassungslos. „Ich kann mir einfach nicht erklären, was an unserer Klosterkirche so besonders ist, dass sie immer wieder von Straftätern aufgesucht wird. Das alles ergibt keinen Sinn“, sagte er.

 Brandstiftung in Dr?becks Klosterkirche
Dienstreise ins Glück für Ost-West-Paar

Wernigerode l Gutes Essen, dazu ein Glas Wein und Zeit für Gespräche – mehr braucht es manchmal nicht, um den Beginn einer Liebesgeschichte zu schreiben. Anke Maria und Paul Gemeinhardt erinnern sich gern an die Anfänge ihres mittlerweile 20 Jahre andauernden Glücks zurück. Wie sie beruflich in die Toskana gereist sind und als Paar zurückkamen. Wie sie sich alles über ihre vorherigen Leben auf verschiedenen Seiten der Mauer erzählt haben. Wie sie Deutschland gemeinsam bereist haben und letztendlich in Wernigerode ihr Zuhause gefunden haben.

Die heute 54-Jährige wächst in Wismar an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns auf. Auch nach der Schulzeit bleibt sie in der Heimat, möchte als Kindergärtnerin arbeiten. Aber man lässt sie nicht. „Ich hatte eine Drei in Mathe und mir wurde gesagt, das sei zu schlecht, ich könne damit keine Kindergärterin werden“, erzählt sie. „Ich musste damals Pionierleiter lernen mit Lehrbefähigung in Deutscher Sprache und Körpererziehung.“ Gern blickt sie auf diesen Abschnitt in ihrem Lebenslauf nicht zurück.

Schon damals wehrt sie sich gegen viele Umstände im politischen System der DDR, zögert den Eintritt in die Sozialistische Einheitspartei (SED) so weit wie möglich hinaus. Mit Konsequenzen, wie Anke Maria Gemeinhardt erzählt: „Ich war hochschwanger, habe Mittagsschlaf gemacht. Und als ich aufgewacht bin, stand der fette Parteisekretär aus der Schule, ein richtig schmieriger Typ, vor mir. Er war einfach in die Wohnung gekommen, hatte sich an den Ofen gestellt und mich beobachtet.“ Sein Anliegen: Sie solle endlich in die Partei eintreten. „Ich habe mich zu Tode erschrocken, ich hatte richtig Angst und habe am ganzen Körper gezittert, als er weg war.“ Für ihr Recht auf Selbstbestimmung sei sie dennoch weiter eingetreten, habe in Folge eines Sitzstreiks sogar doch noch als Kindergärtnerin arbeiten dürfen.

Letztendlich war es das Ende der DDR, das den Grundstein für ihr heutiges Leben gelegt hat. Denn mit der Wende schließt die Werft, Kitas werden geschlossen, es gibt immer mehr Arbeitslose, auch ihr wird gekündigt. Doch für ihren kleinen Sohn muss sie stark bleiben. Da ihr Beruf nicht mehr anerkannt ist, lässt sie sich umschulen und wagt einen beruflichen Neuanfang. Als Hotelfachfrau fasst sie im Steigenberger Hotel in Wismar Fuß, zunächst im Service und an der Rezeption, später als Bankettleiterin. Und hier sollte sie auch ihren jetzigen Ehemann kennenlernen.

Paul Gemeinhardt entstammt einer Hoteliersfamilie. Der gebürtige Bayer wächst im unterfränkischen Aschaffenburg auf und lässt sich in Baden-Baden zum Hotelkaufmann und Restaurantfachmann ausbilden. Er baut sich ein Leben auf, heiratet, bekommt drei Söhne. Doch die Ehe scheitert. „Sie ging dann mit den Jungs nach Lübeck und ich bin natürlich hinterher gezogen“, erzählt er. 1998 landet er dann ebenfalls im Steigenberger Hotel in Wismar.

„Im ersten Jahr waren Anke Maria und ich einfach nur Kollegen. Wir waren stets per ‚Sie‘“, erzählt der 63-Jährige. „Ich bin in der Zeit nie auf die Idee gekommen, mit ihr am Abend zusammen wegzugehen. Schließlich habe ich noch in Lübeck gewohnt.“ Als die Hotelchefin dann jedoch über den Weinlieferanten des Hotels zu einer beruflichen Reise für zwei Personen in die Toskana einlädt, kommt der Stein ins Rollen. „Es stand bereits fest, dass ich als Restaurantleiter dabei sein muss. Ich sollte mir noch jemanden suchen, der mit mir mitfährt. Anke Maria war als Bankettleiterin für Veranstaltungen und Weinproben zuständig, und dann habe ich sie gefragt: ‚Haben Sie vielleicht Lust, mit mir eine Reise in die Toskana zu machen?‘“

Und so geht sie mit weiteren Gastronomen aus dem norddeutschen Raum auf große Fahrt. „Ein Vertreter des Weinhändlers hat Schilder mit unseren Vornamen ausgeteilt, die wir uns ankleben sollten. Auf so einer Reise duze man sich. Wir saßen im Bus nebeneinander und haben uns darauf eingelassen, zumindest auf der Fahrt ‚Du‘ zueinander zu sagen“, schmunzelt Paul Gemeinhardt.

Die einwöchige Fahrt führt über mehrere Stationen nach Norditalien. Beim gemeinsamen Abendessen kommen sich die beiden bereits am zweiten Abend näher, erzählen sich ihre ganze Lebensgeschichte. An Tag drei hat es dann endgültig gefunkt. „Es war irgendwie schön und romantisch, es sollte einfach so sein. Ein schönes Hotel, leckeres Essen, Rotwein – eben wie man sich das so vorstellt, sich in Italien zu verlieben“, schwärmt sie. „Wir sind als Kollegen hingefahren und als Liebespaar zurückgekommen.“

Die Beziehung hält auch dem Alltag stand. Wismar kehren sie bald den Rücken, reisen gemeinsam der Arbeit hinterher: in den Schwarzwald, nach Baden-Baden und in die Schweiz, wo sie sich am 24. Juli 2004 das Ja-Wort geben. Kurz darauf zieht es das Paar zurück nach Deutschland, sie wechseln von der aktiven Gastronomie in den Bildungssektor, um ihr Fachwissen in den Bereichen Hotellerie und Gastronomie weiterzugeben. Auf einem Urlaubstrip nach Wernigode reift der Gedanke, sich in der Harzstadt niederzulassen. 2008 wagen sie den Schritt, suchen vor Ort nach Arbeit und fangen als Dozenten an der Oskar-Kämmer-Schule an. Er wird später Beauftragter für Flüchtlingsangelegenheiten, ist zudem ehrenamtlich als Integrationslotse im Kreis unterwegs. Anke Maria Gemeinhardt hat sich dann doch noch ihren Traum erfüllen können und ist seit 2010 als anerkannte Erzieherin tätig.

Dass sie ein Ost-West-Pärchen sind, spiele in ihrem Alltag keine Rolle. „Ich mag diese Begriffe Ossi und Wessi sowieso nicht“, meint Paul Gemeinhardt. „Das ist 30 Jahre her, lassen wir es doch bitte einfach.“

 Dienstreise ins Gl?ck f?r Ost-West-Paar