Die Germanen suchten in dieser Nacht weise Frauen im Wald auf. Der
Überlieferung zufolge besaßen diese weisen Frauen, die später als Hexen
bezeichnet wurden, ein großes magisches Wissen und Heilkräfte. Und, was
zu Beltane das Wichtigste war: sie beherrschten die Kunst der
Weissagung. Nicht nur die Wahrsagerei hatte zu Beltane Hochkonjunktur -
diese Nacht war gleichzeitig der höchste Feiertag der Hexen. Sie trafen
sich aus allen Teilen des Landes, um ein wildes und
ekstatisches Fest zu feiern. Dazu wurden große Feuer errichtet und
geheime Zeremonien abgehalten, in denen die ersten Kräuter des
Frühlings eine große Rolle spielten. Geblieben sind bis heute auch der
"Tanz in den Mai" und die Wahl der Maikönigin.

Mit dem Beginn der christlichen Zwangsmissionierung wurde alles anders:Plötzlich war es verboten, sich an den kultischen Plätzen zu treffenund die traditionellen Lieder zu singen. Die weisen Frauen, die man beidiesen Zusammenkünften um Rat fragte, wurden von "hagszissen" ("die imHain Sitzenden") zu "Hexen" umbenannt. Ihnen wurde ein frevelhaftesBündnis mit dem Teufel angedichtet. Ihre magischen Kenntnisse wurdenals Zauberei, Teufelswerk und Ketzerei hingestellt. Mit dem ersten"Hexenprozess" 1398 begann die Hexenverfolgung, die in Deutschland etwa20.000 und in ganz Europa etwa 60.000 Todesopfer forderte. Die letztebekannt gewordene Hexenverbrennung in Deutschland fand Mitte des 18.Jahrhunderts statt.


Mit einem Trick verleibte sich die Kirche den nicht totzukriegendenFeiertag ein: Zum Schutz vor den düsteren Mächten bot sie die am 1. Maiheilig gesprochene Walburga (auch Walpurga, Walpurgis) an. Nach ihrwurde die Walpurgisnacht benannt. Das Hexentreiben dieser Nacht hatalso nur zufällig mit der Heiligen zu tun.
Vornehmlich in der Nacht zum 1. Mai versammeln sich jedes Jahr Hexenauf dem Hexentanzplatz. Genau wie vor 100 Jahren "fliegen" sie zu ihrenVersammlungsorten, deren bekanntester der Blocksberg (Brocken) im Harzist. Das heidnische Treiben beginnt genau wie damals mit der Errichtunggroßer Feuer.