Die Stadt Quedlinburg besitzt ein Gefängnis der besonderen Art. Es ist
ein transportabler Holzkasten. Er besteht aus 8 cm starken
Fichtenbohlen und wird mit eisernen Bändern zusammengehalten. Dieses
Holzkastengefängnis mit einer Abmessung von 2,75 m x 2,35 m und einer
Höhe von 2 m besitzt nur eine winzige Türöffnung von 42 cm Breite und
60 cm Höhe. An der Schmalseite ist eine kleine Fensteröffnung
übernagelt mit einem kreuzartigen, eisernen Band. Über diesem
sogenannten Raubgrafenkasten aus dem Jahre 1337 wissen Chroniker
folgendes zu berichten:

Graf Albrecht der II von Regenstein, ein ritterlicher und starker Mann,stand in Fehde mit dem mächtigen Bischof von
Halberstadt und der mitihm verbündeten Stadt Quedlinburg. Im offenen Kampf besiegten dieQuedlinburger den Regensteiner Graf. Auf eiliger Flucht geriet der Grafmit seiner schweren Rüstung in einen Sumpf nahe seiner GerstdorferBurg. Hier konnten ihn die Quedlinburger gefangen nehmen. In großemTriumpf wurde er vor das Quedlinburger Rathaus gebracht. Eigens fürdiesen hohen adligen Gefangenen soll dieses Gefängnis angefertigtworden sein. Der Name Raubgraf stammt von dem bekannten heimischenDichter Julius Wolff in seinem gleichnamigen Roman. Er wurde in einemProzeß zum Tode verurteilt. Vom Kaiser wurde dieses Urteil bestätigt.Nach 2-jähriger Haft, kurz vor seinem Tode, bequemte sich der Graf indie Quedlinburger Forderungen einzuwilligen. So mußte er aufseine Rechte als Schutzvogt verzichten und 7 neue Stadtmauertürmeauf seine Kosten errichten lassen. Er soll fast 2 Jahre (vom 07.Juli 1336 – 20.03.1338) in diesem winzigen Gefängnis verbracht haben.Viele Historiker indes bezweifeln, dass ein so mächtiger Adliger, dergleichzeitig der Schutzherr der Stadt Quedlinburg war, in diesem engenHolzkasten als Gefangener war.
